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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die europäisch-amerikanische Periode, seit 1876. 263

besitzes beschränkt, sondern weite »Interessensphären« abgesteckt hat, innerhalb derer sich die kolonisatorische Tätigkeit ungehindert entfalten konnte. Die Zahl der Reibungsflächen wurde durch diese glückliche Maßregel verringert.

Die Teilung Afrikas.

1. Keine Entdeckung in Afrika war von epochemachenderer Bedeutung als die des Kongolaufes durch Stanley im Jahre 1877. Sie löste nicht nur das wich­tigste hydrographische Rätsel des Erdteils, sondern gab auch unmittelbar Veranlassung zu kolonisatorischen Unternehmungen von größter Tragweite. Aber diese "Wirkungen traten erst 1884 und 1885 in ihrer ganzen Bedeutung hervor, gleichzeitig mit zwei andern, ebenso einschneidenden Tatsachen: der Gründung der deutschen Kolonien und der Entstehung des Mahdireichs. Bis zu diesem Zeitpunkt bewegte sich die Kolonialentwicklung Afrikas noch in den gewohnten Bahnen, und ihre Träger sind wie bisher Frankreich und England.

2. Frankreichs Kolonialpolitik war durch den Krieg mit Deutschland auf Jahre hin­aus lahmgelegt worden, aber seit 1878 sehen wir es wieder an der Arbeit. Es befestigt seine Macht wieder an denjenigen Punkten, die es während des Krieges ganz oder nahezu aufgegeben hatte, wie in Cayor, an der Elfenbein- und Sklavenküste, wo Dahoine 1878 Kotonu abtrat und der König von Porto Novo 1882 das französi­sche Protektorat annahm. Am Casamance und an den Rivieres du Sud wird die unterbrochene Arbeit wieder aufgenommen, und die französische Rührigkeit steckte sogar Portugal an, das 1879 seine spärlichen Besitzungen auf den Bissagosinseln und der gegenüberliegenden Festlandsküste zur Provinz Guinea erhob 1 ). Mit England wurde 1882 provisorisch vereinbart, daß die Grenze zwischen Sierra Leone und der französischen Interessensphäre zwischen den Flüssen Mellacori und Groß-Scarcie liegen solle 2 ).

Der Gouverneur Briere de lIsle begann auch wieder den AVeg nach dem Niger einzuschlagen, auf dem Faidherbe in den 60er Jahren so erfolgreich voran­geschritten war. Drei große Mohammedanerreiche trennten die französischen Besitzungen vom Nigerbogen: 1. Kaärta unter der Herrschaft des Nachfolgers Hadj Omars,

Alimadu, der in Segu am Niger residierte, 2. Wassulu oder das Reich Samorys, das sich auch über den obersten Niger erstreckte, und 3. Futa Djallon, das 1881 einen Freundschafts vertrag mit Frankreich schloß und dessen Oberherrschaft über die Rivieres du Sud anerkannte 3 ). Der nächste AVeg nach dem Niger führte vom Senegal aus, wo Medine der äußerste französische Posten war. 1878 wurde Sabucire erobert und 1879 Bafulabe besetzt und durch eine Eisenbahn mit Medine verbunden. 1881 standen die Franzosen schon in Kita, und 1883 hißten sie zum erstenmal ihre Flagge am Nigerufer, in Bammako. Die Feste Kundu sicherte die Verbindung dieses Postens mit dem Senegal.

9 Bevölkerung der Erde VI, S. 66.

2 ) Ebenda VIII, 159.

3 ) Dubois-Terrier, a. a. O. S. 525.