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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die britisch-amerikanische Periode 17831870.

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5. Seit 1764 wird es auch in der Südsee lebendig. Die englische Kriegs­marine, noch ganz erfüllt von der Erinnerung an ihre glücklichen Kämpfe im Sieben­jährigen Krieg, hatte sich die Erforschung der noch wenig oder gar nicht bekannten Meere zum Ziele gesetzt. Aber auch die Franzosen blieben nich miissig; den Spuren der Briten Byron und Wallis folgten 1768 französische Kriegsschiffe unter Bou- gainville, und obwohl es sich zunächst nur um geographische Entdeckungen han­delte, so entwickelte sich daraus doch bald eine politische Rivalität, (he sich aller­dings in diesem Teile der Erde niemals zu kriegerischen Verwicklungen zugespitzt hat.

Die nachhaltigsten Erfolge knüpfen sich an den Kamen James Cook, den größten maritimen Entdecker seit Magalhäes. Durch die Wiederauffindung Neusee­lands, dessen insulare Natur er zuerst feststellte, und die Entdeckung der Ostküste Australiens, die er Neusüdwales taufte und im Namen des englischen Königs in Besitz nahm (1770), wies er seinen Landsleuten den Weg zur Gründung mächtiger Kolonialstaaten in der Südsee. Die zweite Reise (177274) war der Erforschung der antarktischen Breiten gewidmet und zerstörte die Fabel von dem großen Süd­kontinent; die dritte (177679), auf der die Hawaiigruppe aufgefunden wurde, hatte einen kolonialpolitischen Zweck. Es sollte festgestellt werden, ob sich an der Westküste Nordamerikas zwischen 45 und 65° B. wirklich ein Meeresarm zur Hud­sonbai öffne; in der geheimen Instruktion wurde Cook auch angewiesen, von noch unbekannten Ländern Besitz zu ergreifen, und diesen Befehl führte er auch in Cooks'Inlet an der Siidldiste Alaskas aus. Dieser Vorgang hatte zwar keine weiteren Folgen, aber die Engländer verloren seitdem diese Gegenden nicht mehr aus den Augen. Ein neuer Gegenstand kolonialen Wettstreits war in die Welt­geschichte eingetreten.

Die britisch-amerikanische Periode 17831876.

Begleitworte zur Karte für 1826 auf Tafel IX.

Die großen Kämpfe zwischen England und Frankreich, che mit kurzer Unter­brechung den Zeitraum von 17931815 füllen, sind zwar eine Fortsetzung jener unter den beiden letzten Bourbonen, tragen aber einen anderen Charakter. Wie unter Ludwig XIV. überwog auch jetzt das kontinentale Interesse, und wie damals, so ist auch jetzt die französische Kolonialpolitik daran gescheitert. Die Folgen für die Kolonien waren freilich wichtig genug, aber trotzdem haben wir nicht das Jahr 1815 für eine kartographische Darstellung gewählt. Die Schwingungen, die durch die mächtige Erschütterung Europas in der Neuen Welt ausgelöst wurden, gelangten erst um das Jahr 1826 zur Ruhe; ungefähr in dieselbe Zeit fällt der Abschluß der ersten Er­oberungsperiode der Engländer in Vorderindien und che Umgestaltung der politischen Verhältnisse im Malaiischen Archipel, und auch in der Kolonialgeschichte Australiens bildet die Mitte der 20 er Jahre einen bedeutungsvollen Markstein.