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A. Supan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.
die Kolonial Verwaltung schon 1844. Die Kämpfe mit Boni (1856 und 1860) führten zu einer Erweiterung des unmittelbaren Gebiets in Südcelebes. Von den Kleinen Sundainsein wurde Bali in den 40er Jahren ganz gewonnen, während sich auf Lombok die Holländer nur mit einer nominellen Anerkennung ihrer Oberhoheit begnügen mußten. Die verwickelten Besitzverhältnisse der Niederländer und Portugiesen auf Timor wurden durch den Lissaboner Vertrag vom 20. April 1859 *) geordnet; die ersteren behielten die südwestliche, die letzteren die nordöstliche Hälfte und außerdem ein paar Exklaven im holländischen Teil, was zu Unzuträglichkeiten führte, die erst 1904 beseitigt wurden. Portugal behielt die Nachbarinsel Kambing, überließ aber seine Besitzungen auf Flores, Adunara und Solor den Niederlanden.
Neuguinea, auf das der Molukkenstaat Tidore Anspruch machte, war bisher so unbeachtet geblieben, daß über seine Zugehörigkeit zum holländischen Kolonialbesitz berechtigte Zweifel entstanden. Erst als 1826 das Gerücht ging, daß sich Engländer an der Südküste niedergelassen hätten, sandte die niederländische Regierung eine Expedition dahin und nahm am 24. August 1828 von der Süd- und Westküste vom 141. Meridian im Süden bis zum Kap der Guten Hoffnung (1321° 0.) im Nordwesten Besitz * 2 ). An der Südküste (in 8° 43-^-' S., 134° 16' O.) wurde das Fort Du Bus errichtet, aber schon 1835 wegen seiner ungünstigen Lage geräumt. Seit dieser Zeit wurde Neuguinea zwar wiederholt von amtlichen Forschungsexpeditionen besucht, aber ihre Ergebnisse waren so ungünstig, daß man von weitern Kolonisationsversuchen absah. Nur in Dorei an der Nordwestküste erhielt sich ein Handelsposten. Trotzdem gab Holland seine Ansprüche nicht auf, ja erweiterte sie sogar 1848 an der ' Nordküste bis zum Kap Bonpland (140° 47' O.) 3 ). Eine binnenländische Grenze, nämlich eine gerade Linie von dem genannten Vorgebirge bis 140° 0. an der Südküste, erscheint zum erstenmal im Regierungsalmanach von 1875; erst 1877 taucht der 141. Meridian als Ostgrenze des holländischen Anteils in dem amtlichen Werke auf 4 ).
Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch, daß die Spanier 1876 den größten Teil der Suluinseln besetzten und ihrer Philippinenkolonie ein verleibten 5 ), doch hat der Sultan von Sulu erst am 16. August 1878 die spanische Souveränität anerkannt G ).
Die Südsee.
1. In der Südsee stießen englische und französische Interessen hart auf einander, aber unstreitig waren hier die Franzosen das aktivere Element. Wie in Afrika, so zeigte die englische Regierung auch in der Südsee eine entschiedene Unlust zu kolonialen Unternehmungen, und nur der Wettstreit mit Frankreich stachelte sie zu solchen an. Wenn sie trotzdem den Preis davontrug, so erklärt es sich daraus, daß sie im entscheidenden Augenblick rasch Zugriff, während ihre Rivalen mehr begehrlich als
J ) Martens, Nouveau Itecueil general, Bd. XVII, 2. Teil, S. 277.
2 ) A. Haga, Nedcrlandsch Nicuw Guinea en de Papoesche Eilanden. Batavia 1884. Bd. II,
S. 28.
3 ) Ebenda S. 78.
4 ) Ebenda S. 279 f.
5 ) Bevölkerung der Erde V, S. 43.
«) Ebenda VI, S. 45.