Druckschrift 
Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
Entstehung
Seite
166
Einzelbild herunterladen
 

1 ß (5 A. Supan, Bio territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.

sein Besitz auf den heutigen Stand reduziert. Auch die Niederlande müssen 1 , ob­wohl ihnen der Ostindische Archipel Avieder zurückgegeben Avurde, sich nun mit der bescheidenen Rolle einer Kolonialmacht zweiten Ranges begnügen. Ceylon, Kapland, das Avestliehe Guayana Avaren sclrwere Verluste. England ist durch die Erwerbung von Tobago, Sta. Lucia, Trinidad und Guayana in Westindien neben Spanien die erste Macht geworden, in Vorderindien hatte es nur noch mit den einheimischen Fürsten zu rechnen, und überdies sah cs sich nun im Besitz Avichtiger maritimer Stützpunkte. Malta bildet eine Ergänzung zu Gibraltar, die beiden wichtigsten Straßen des Mittelmeers sind nun in englischen Händen. Vor allem aber ist eine Etappen­straße nach Ostindien gewonnen, Mauritius und das Ivapland erhalten unter diesem Gesichtspunkt erst ihre Aolle Bedeutung. Die Ergänzung bildet St. Helena und bis zu einem geAvissen Grade auch Ascension, das aber 1815, ebenso Avie 18IG Tristan da Cunha, zunächst nur zu dem ZAveck besetzt wurde, um Versuchen zur Befreiung- Napoleons aus seinem Verbannungsorte auf St. Helena vorzubeugen.

Ostindien.

1. Wir haben Vorderindien bereits als einen Zankapfel ZAvischen England und Frankreich kennen gelernt; wir haben gesehen, wie letzteres als einflußreiche Macht endgültig ausgeschaltet Avurde, und haben nun den Gang der englischen Eroberung im einzelnen zu verfolgen.

Unter dem GeneralgoiiAerneur Lord Cornwallis (178G92), der sich um die gründliche Reform der bengalischen Finanzen ein großes Verdienst envorben Hat, be­gann die. Eroberung des Dekan. Der erste Mysorekrieg (s. S. 148) hatte zwar keine Machtveränderungen zur Folge, aber bcAvirkte doch, daß sich die von Mysore bedrohten Fürsten von Ivarnatik und Tanjore eng an Madras anschlossen und sogar zu Beiträgen für den militärischen Schutz verpflichteten (1787). Geschickt ver­stand es auch Cornwallis, die Eifersucht des Nizams a'ou Haidarabad und des Reschua gegen den mächtigen Tipu-Sultan von Mysore zu benutzen, und mit ihrer Hilfe führte er den zweiten Mysorekrieg (179092) glücklich durch. Tipu verlor die Hälfte seiner Besitzungen, die unter die Verbündeten geteilt wurden; England erhielt Malabar zwischen dem 10.-und 12. Parallel, die Binnenprovinz Dindigal von Madura Ins über die Shevaroyberge hinaus und ein kleineres Gebiet südlich vom Unterlauf des Ivistna 1 ). Damit war der Weg der flächenhaften Kolonisation auch auf der eigentlichen Halbinsel betreten.

Siegreich schritt Marquis v. Wellesley (1798^-1805) auf diesem Wege weiter. Er hatte es sich vorgesetzt, die Ostindische Kompagnie zur ersten Macht Vorder­indiens zu erheben, und hat diesen Vorsatz so durchgeführt, daß er sich mit Olive in den Ruhm teilt, der Schöpfer des anglo-indisclien Reiches zu sein. ; In Haidarabad zerstörte er den französischen Einfluß völlig, und mit dessen und des Peschua Hilfe überfiel er Mysore, avo Tipu-Sultan nur die Unterstützung Bonapartes ab wartete, um wieder loszubrechen. Die Einnahme der Festung Seringapatam, 1799,

) Frieden von Seringapatam vom 18. März 1792 s. Martens, Itecueil, 2. Anti., Bd. V, S. 308.