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A. Supan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.
Die französisch-britische Periode 1670—1783.
Fortsetzung des Begleitwortes zur Karte für 1697 auf Tafel V.
Die Kolonialmächte.
Fast gleichzeitig traten in Westeuropa zwei wichtige Ereignisse ein: 1600 die
Restauration der Stuarts in Großbritannien und 1661 die Übernahme der Regierung in Frankreich durch Ludwig XIY.
Karl II. von England (1660—85) setzte die innere Politik fort, die einst seinen "Vater aufs Schafott geführt hatte; sein Hang zum Absolutismus wie seine unwürdige Lebensführung setzten ihn in beständigen Widerspruch zu seinem Volke, und so sank Englands Macht rasch von ihrer durch Cromwell gewonnenen Höhe. Die äußere Politik war unstät und ziellos, und darunter litten natürlich auch die kolonialen Interessen, für die der König überhaupt wenig Verständnis zeigte, sonst hätte er nicht Tanger, das ihm seine portugiesische Gemahlin als Mitgift zubrachte, 1684 als zu kostspielig wieder aufgegeben! Im Beginn der Regierung war die Freundschaft mit Ludwig XIV. so intim, daß man sich nicht nur über die Teilung Westindiens verständigte, sondern daß Frankreich es 1662 sogar wagen konnte, sich Placentias auf Neufundland zu bemächtigen. Aber dieses Verhältnis wurde unhaltbar, als Ludwigs XIV. Eroberungsgelüste nach dem Tode seines Schwiegervaters, des Königs Philipp III. von Spanien (1665), immer unverhüllter zutage traten. So wurde Ludwig XIV. für die Freiheit des westlichen Europa nicht minder gefährlich wie einst Philipp II., und wie sich einst gegen Spanien Holland. England und Frankreich zusammengeschlossen hatten, so war jetzt ein Bund zwischen England, Holland und Spanien gegen Frankreich die durch die Umstände gebotene Gruppierung. Sie hat nur einmal eine Unterbrechung erfahren, 1670, als Karl II. durch sein unstillbares Geldbedürfnis in die Arme Frankreichs getrieben wurde und dadurch mit Holland in Krieg geriet, aber das englische Parlament erzwang 1674 den Frieden zu Westminster, und seit dieser Zeit wurde das freundschaftliche Verhältnis der beiden Nachbarstaaten durch mehr als ein Jahrhundert nicht mehr gestört. Besonders innig wurde es nach der Vertreibung der Stuarts, als Wilhelm III. (1688—1702) die Würde eines Erbstatthalters der Niederlande mit der britischen Krone verband.
Aus der französischen Eroberungspolitik entsprangen die drei sog. Raubkriege, die durch die Friedensschlüsse zu Aachen (1668), Nijmegen (1678) und Rijswijk (1697) beendet wurden. Die beiden letzteren zogen auch die Kolonien stark in Mitleidenschaft. Das kam daher, weil Frankreich im Zeitalter Ludwigs XIV. auch als Kolonialmacht einen gewaltigen Aufschwung nahm.
Der Schöpfer dieses Kolonialreichs war Colbert, seit 1651 der Leiter der französischen Finanzen (f 1683). Er gilt als der konsequenteste Vorkämpfer des Merkantilsystems, dessen Wesen er in die Worte zusammenfaßte: »Im Geldüberfluß liegt der Unterschied zwischen den Staaten begründet« 1 ). Industrie und Handel sind
5 ) E. Benoit du Rey, Recherches sur la politique coloniale de Colbert. Paris 1902. S. 41.