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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die französisch-britische Periode 16701783.

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Die übrigen Kolonien.

1. Wenn oben gesagt wurde, Frankreich habe nur verloren, so ist dies so zu verstehen, daß das Wenige, was es gewann, in keinem Verhältnis steht zu dem Verlust. Es hatte seit 1763 keine Siedelungskolonie mehr. Der traurige Versuch Choiseuls im Jahre 1763, Guayana zu einer solchen umzugestalten, hätte aus klimatischen Gründen auch dann scheitern müssen, wenn er besser vorbereitet ge­wesen wäre 1 ). Aber wie schon wiederholt betont, Frankreich war für diese Art von Kolonien überhaupt noch nicht reif. Sein wertvollster Besitz war Westindien, und diesen hatte es noch um Tobago vermehrt. Den beständigen Grenzfehden auf Haiti wurde durch den Vertrag mit Spanien vom 3. Juni 1777 2 ) ein Ziel gesetzt; die hierin festgelegte' Grenze ist im wesentlichen dieselbe wie lieuzutage zwischen den beiden farbigen Republiken. Tn Afrika hatte Frankreich seine senegambische Kolonie gerettet, in Ostindien hatte es zwar auf seine ehrgeizigen Pläne verzichten müssen, aber im Besitz seiner alten Plätze nahm es noch immer einen wichtigen Anteil am Handel. Die Inseln Bourbon und de France trat die Ostindische Gesellschaft 1764 an die Krone ab; 1769 besetzten die Franzosen auch Mähe in der Seychellengruppe. Aber auf der Hauptinsel Madagaskar gelang es ihnen noch immer nicht, festen Fuß zu fassen. 1768 machte Graf Mautave einen Versuch, das Fort Dauphin wieder aufzurichten, aber von allen Seiten im Stich gelassen, mußte er ihn bald wieder auf­geben. Eine tragikomische Episode bildet das Unternehmen des ungarischen Grafen Benyowszky, der aus seiner sibirischen Gefangenschaft entflohen war und 1774 mit Hilfe französischer Freiwilliger die Stadt Louisbourg an der Antongilbai gründete. Das Märchen, daß er von einer angeblich ausgestorbenen madagassischen Herrscher­dynastie abstamme, fand gläubige Anhänger unter den Eingeborenen, und bald wurde er als Häuptling anerkannt. Indes fühlte er sich in dieser Rolle doch nicht ganz sicher und trug daher zuerst Frankreich, dann Österreich, endlich England die Ober­hoheit über die Insel an. Überall zurückgewiesen, ging er nach den Vereinigten Staaten, wo er Unterstützung fand. Dann kam er wieder nach Madagaskar und er­oberte Louisbourg zurück, wurde aber 1786 im Kampfe mit den französischen Truppen, die ihn als Rebellen verfolgten, getötet.

2. Die territoriale Entwicklung der holländischen Ostindischen Gesellschaft war am Beginn dieser Periode noch in aufsteigender Linie begriffen. Nach fünf­jährigem Kriege mit dem Fürsten von Kandy auf Ceylon wurde 1766 ein günstiger Frieden geschlossen, durch den die letzten Lücken in dem Ringe der niederländischen Küstenbesitzungen ausgefüllt wurden 3 )- Von den kleineren Liseln wurde Tanimbar 1772 dem Herrschaftsgebiet der Gesellschaft einverleibt. Auch auf Borneo hatte sie einen weiteren Fortschritt zu verzeichnen, indem ihr 1778 der Sultan von

9 Über die Zahl der Auswanderer (darunter viele Elsässer) und der Opfer gehen die Angaben weit auseinander (vgl. W. Marcus, Ohoiseul und die Katastrophe am Kotiroufluß, Breslau 1905, S. 59).

2 ) Martens, Recueil, 2 . Aufl., Bd. II, S. 519.

3 ) Diese unbedeutenden Lücken waren an der Westküste von Kayniel bei Negombo bis zum Gebiet von Japna und an der Ostküste von den Grenzen von Jaffna bis zum Flusse Waluwe (Art. 3 des Vertrags, s. Martens, Iiecueil, 2. Aufl., Bd. T, S. 317).