Die frauzösisch-britisclie Periode 1670—1783.
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Begleitworte zur Karte für 1763 auf Tafel VII.
Der Siebenjährige Krieg.
1. Die zahlreichen Kriege, die im 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Europa heimsuchten, haben mehr oder minder alle einen Widerhall in den Kolonien geweckt, nun aber greifen zum erstenmal koloniale Streitigkeiten nach Europa hinüber und entzünden liier einen Krieg, an dem nahezu alle Mächte teil- nehmen. Ein Weltbrand, anscheinend wegen des oberen Ohiotales! Aber der Kampf ums Ohiotal war nur das Symptom einer lange hinschleichenden Krankheit. Der spanische Erbfolgekrieg hatte gegen Frankreich entschieden, England wurde die erste Seemacht. Aber Frankreich erholte sich wieder, seine Marine wuchs, der Friede von Aachen ließ die Streitfragen ungelöst, in Vorderindien und Nordamerika erwachte die französische Energie. Die Furcht Englands, aus seiner maritimen Stellung verdrängt zu werden, war nicht unbegründet.
Als Kurfürst von Hannover hatte der König von England auch kontinentale Interessen. Um diese zu schützen, genügten die von Hessen-Kassel gekauften Truppen nicht. England sah sich nach einem festländischen Bundesgenossen um; als Rußland versagte, warf es sich seinem früheren Gegner, Friedrich d. Gr., in die Arme. Frankreich schloß dagegen einen Bund mit Maria Theresia. So verquickte sich der mitteleuropäische Gegensatz zwischen Preußen und Österreich mit dem maritim-kolonialen zwischen England und Frankreich. Wenn man gesagt hat, das Schicksal Canadas sei auf den sächsischen Schlachtfeldern entschieden worden, so ist dies insofern richtig, als die Siege Friedrichs d. Gr. den Engländern die Möglichkeit gewährten, ihre Siege in den Kolonien voll auszunutzen und Frankreich und Spanien den Frieden zu diktieren.
2. Die Kriegserklärung Englands an Frankreich erfolgte am 17. Mai 1756, der Krieg kam aber schon 1755 in vollen Gang. Auf dem östlichen Schauplatz waren die Franzosen von Anfang an im Nachteil. Akadien war schon 1755 verloren, und die französischen Einwohner, die von der englischen Herrschaft nichts wissen wollten, mußten das Land verlassen. Auf dem wichtigeren westlichen Schauplatz waren die Franzosen dagegen siegreich. Ein neuer Angriff auf Fort Duquesne wurde abgeschlagen und das Fort Cumberland, die Feste der Potomacstraße, genommen. An der Hudsonstraße wurden die Engländer nach anfänglichen Erfolgen überall zurück- gedrängt. 1756 wurde Oswego, 1757 das Fort William Henry erobert; den Franzosen lag nun der Weg nach Virginien wie nach Neuyork offen, sie standen auf dem Höhepunkt ihrer Macht.
Trotzdem war ihre Lage bedenklich. Canada war von französischer Zufuhr abgeschnitten und in großer Not. Auch den Handel mit den Neutralen störte England, indem es von seiner maritimen Überlegenheit rücksichtslos Gebrauch machte. Frankreich vergaß eben immer wieder die selbstverständliche Lehre, daß ohne eine starke Flotte überseeische Kolonien nicht gehalten werden können. England raffte sich, seit der große Pitt die Regierung übernommen hatte (Oktober 1756), zu energi-
A. Supan, Entwicklung der europ. Kolonien. 9