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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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120 A. Supau, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.

sie wie ein Kartenhaus zusammen. Die französische und die englische Gesellschaft schlossen Frieden; die erstere sollte an der Ostküste nur Pondichery, Karikal und Nisampatam, die letztere Madras, St. David und Devikotta behalten. Beide ver­sprachen, sich nicht mehr in indische Angelegenheiten einzumischen, aber es ist sehr fraglich, ob das ehrlich gemeint war. Zudem waren die Dinge in den indischen Staaten selbst schon zu weit gediehen, als daß sich die Europäer hätten neutral ver­halten können. Der Subahdar von Dekan erklärte den Franzosen auf das bestimmteste, o hn e Beihilfe einer europäischen Macht nicht regieren zu können.

Die französischen und englischen Kolonien in Westindien und Nord­amerika.

1. Westindien war im 18. Jahrhundert das wichtigste Plantagen gebiet der Erde. Sein Haupterzeugnis, der Zucker, fand nicht nur in Europa steigenden Ab­satz, sondern diente auch zur Bereitung des Bums, der leider das vornehmste Tausch­mittel im nordamerikanischen Pelzhandel war. Im Gefolge dieser Kultur vollzog sich ein großer wirtschaftlicher Umschwung: die kleinen Ansiedler schwanden zu­sehends, und an ihre Stelle traten die Großgrundbesitzer, die ihre Plantagen durch zahlreiche Negersklaven bearbeiten ließen. Englische und französische Kolonien unterschieden sich aber in einem wichtigen Punkte. Nach englischem System sollten die Kolonien nur Rohprodukte liefern, und die "Verarbeitung blieb dem Mutterlande Vorbehalten, daher wurde raffinierter Zucker mit so hohen Einfuhrzöllen belegt, daß sie nahezu einem Verbot gleichkamen. In den französischen Kolonien bestand eine solche Beschränkung nicht, hier konnte sich auch die Zuckerraffinerie ungehindert entwickeln. Segensreich wirkte auch die durch Law ins Leben gerufene liberale Handelspolitik; früher, unter Colbert, war die Wiederausfuhr westindischen Zuckers aus Frankreich verboten, und Frankreich konnte nicht so viel konsumieren, wie ein­geführt wurde, seit 1717 war aber die Wiederausfuhr gestattet. Nicht bloß der Zuckerkultur kam dies zugute, sondern auch andere Betriebe blühten nun auf, wie der 1723 eingeführte Kaffeebau und die Baumwollenpflanzungen. So erklärt es sich, daß damals das französische Westindien über das britische die Oberhand gewann 1 ) und daher natürlich einen Gegenstand des Neides bildete. Von den englischen Inseln war Jamaica am wichtigsten, aber mehr als Mittelpunkt des Schleichhandels nach dem spanischen Amerika denn als Plantagenland.

In den Bahamas waren die Engländer nicht glücklich. Nach der völligen Vernichtung der Flibustier (1718) begannen sie wieder mit der Besiedlung durch

*) Von dem Aufschwung der französischen Inseln geben folgende Bevölkerungsdaten, die der Denkschrift des Intendanten der Finanzen de Beaumont vom Jahre 1765, (s. L. Desehainps, Histoire de la question coloniale cn France, Paris 1891, S. 235) entnommen sind, das glänzendste Zeugnis:

1701 1754

Weiße Neger Weiße Neger

Haiti 7 000 20 000 40 000 230000

Guadeloupe 5 000 8000 10000 50000

Martinique 11000 IG 000 24000 60000

Zusammen 23 000 44000 74000 340000