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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die französisch-britische Periode 16701788.

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Punkt gewesen zu sein. Aber auch den zweiten Zugang, den Gambia, vernach­lässigte Brue nicht; durch die Gründung von Albreda (1698) wurde dem Einfluß des englischen Mündungsforts ein wirksames Gegengewicht geschaffen.

Nach Brues Abgang kehrte man wieder allmählich zu der minder kostspieligen Methode der punktweisen Küstenkolonisation zurück, und es dauerte anderthalb Jahr­hunderte, bis Brues Werk wieder aufgenommen wurde. An der Küste gelang den Franzosen eine für den Gummihandel wuchtige Erwerbung: Arguin, das Preußen ebenfalls an Holland verkauft hatte, und dessen sich 1721 die Franzosen mit Waffengewalt bemächtigten. Im Vertrag vom 13. Januar 1727 *) verzichteten die Niederländer gegen eine Zahlung von 130000 Gulden auf die ganze Küste von Arguin bis Porto-Arco (Portendick) und erkannten das ausschließliche französische Handelsrecht vom Kap Blanco bis zum Sierra Leone-Fluß an. Dieser Anspruch der Franzosen ist von Bedeutung, denn er schuf einen neuen Streitpunkt mit England.

Neuspanien und Südamerika.

1. Unter den Habsburgern befanden sich die spanischen Kolonien in einem Zustand äußerster Gebundenheit. Als die Bourbonen auf den Thron kamen, wurden die Bande zwar nicht abgestreift, aber doch etwas gelockert. Die Verwaltengs- reformen bezweckten allerdings ganz im Geiste des 18. Jahrhunderts nur eine strammere Zentralisierung, indes war es doch als ein Fortschritt zu betrachten, als 1739 das Vizekönigreich Neugranada, das Columbien mit Panama, Ecuador und Venezuela umfaßte, von dem viel zu umfangreichen Verwaltungskörper Peru abge­trennt wurde. Der wirtschaftlichen Umwälzung durch den Asientovertrag von 1713 wurde schon gedacht (S. 102). Die hochgespannten Erwartungen, die man daran knüpfte, erfüllten sich freilich nicht, aber die Kolonien bekamen dadurch doch mehr Anschluß an den Weltverkehr. Vorerst freilich nur auf dem Wege eines sich immer mehr erweiternden Schleichhandels, aber man sah endlich ein, daß auch drakonische Maßregeln die fortschreitende Entwicklung nicht aufhalten können, und griff zu anderen Mitteln. Um den Handel mit Venezuela, dessen Haupterzeugnis, der Kakao, in Spanien bereits ein unentbehrliches Genußmittel geworden war, den Holländern zu entwunden und wieder in spanische Hände zu leiten, entstand 1720 in der bas- kischen Provinz Guipuzcoa eine Gesellschaft, der die Regierung den ausschließlichen Handel mit Venezuela übertrug * 2 ). Um den Schmuggel mit Peru über Buenos Aires zu unterbinden, wmrden 1748 die Galeonen aufgehoben und der direkte Verkehr mit Chile und Peru auf dem Wege durch die Magalhäesstraße freigegeben. Der Handelsverkehr über den Isthmus von Panama, der übrigens schon früher unter der Konkurrenz der Nicaraguaroute sehr gelitten hatte, erhielt durch diese Maßregel den Todesstoß.

2 . Die territoriale Ausbreitung der spanischen Herrschaft ist auch in diesem Zeitraum ein Werk der Missionen. Die Fortschritte in Niedercalifornien, dessen

*) Martens, ß&cueil, Supplement, Bd. I, S. 176.

2 ) Den Freibrief von 1729 s. Du Mont, Corps universal diploni., Bd. VIII, 2. Teil, S. 157.