1UÜ A. Supau, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.
eine neue Periode; Grönland wird wieder von Handelsschiffen besucht, besonders seitdem der Ertrag des Walfischfangs in den spitzbergischen Gewässern infolge der rücksichtslosen Vernichtung des Wildes abzunehmen begann. Das Andenken an die alte Normannenkolonie wurde wieder lebendig; man hoffte, unter den Eingeborenen noch Abkömmlinge derselben zu finden. Dies und das Mitleid mit den von den Händlern brutal behandelten Eskimos bewogen Egede, sein Leben der Bekehrung der Grönländer zu weihen. Erst nach jahrelangen Bemühungen gelang ihm die Ausführung seines Entschlusses. 1721 gründete er die erste Kolonie, Godthaab. Die dänische Regierung hatte sie einer Handelsgesellschaft in Bergen übertragen, und erst als sich diese 1726 auflöste, wurde Grönland Kronkolonie. Aber die Produktenarmut dieser rauhen Polarinsel wirkte entmutigend, und 1731 war die Aufgabe der Kolonie beschlossene Sache. In diesem Augenblick war es Graf Zinzendorf, der durch seine Verbindung mit dem dänischen Hofe das Unternehmen Egedes rettete, das er nun auch durch Entsendung von Herrnhuter Missionaren förderte. Unsere Karten zeigen die Fortschritte dieser fernen Kolonie, die im Laufe des 18. Jahrhunderts völlig ausgebaut wurde.
Ostindischer Archipel und Afrika.
Indem wir nun in die Besprechung der kolonialen Ereignisse eintreten, haben wir, um den Zusammenhang nicht zu zerreißen, zuerst diejenigen Kolonien vorzunehmen, die von dem Kriege 1744—48 wenig oder gar nicht berührt wurden. Es sind dies der Ostindische Archipel, Afrika, Südamerika und das spanische Nordamerika.
1. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erstreckte sich das unmittelbare Gebiet der niederländischen Ostindischen Gesellschaft auf Java, einschließlich der Vasallenländer von Tjeribon, vom Danifluß im Westen bis zum Kap Losari in der Tjeribonbai im Osten. Innerhalb der nächsten 50 Jahre erfuhr ihr Kolonialreich eine gewaltige Ausdehnung, Thronstreitigkeiten in Mataram ebneten ihr den Weg. 1705 erhielt sie vom siegreichen Prätendenten den südlichen Teil der heutigen Preanger Regentschaften und Tjeribons, so daß ihr Gebiet nun unbestritten bis an den Indischen Ozean reichte, und außerdem noch die Osthälfte Maduras. Mataram geriet nun in völlige Abhängigkeit von der Kompagnie. Unter der Verwaltung ihres Generalgouverneurs Swaerdecroon (1720—28) erlebte sie eine Blütezeit wie keine mehr nachher; ihre Aktien stiegen auf 1080 v. H. ihres Nennwertes. Aber indem ihr ganzes Trachten nur auf die rücksichtslose Aufrechterhaltung ihres Handelsmonopols gerichtet war, verschloß sie sich selbst den Weg zur völligen Entfaltung der natürlichen Hilfsquellen ihrer Länder. So beschränkte sie, wie früher die Verbreitung der Gewürzpflanzen in den Molukken, jetzt die aufblühende Kaffeekultur auf Java. Dazu kam noch die völlige Entsittlichung ihres Beamtenpersonals. Unter der Bedrückung desselben litten besonders die ansässigen Chinesen. Um sich dieser unzufriedenen Elemente zu entledigen, wurde im Oktober 1740 in Batavia ein großes Blutbad veranstaltet, dem 10 000 Chinesen zum Opfer gefallen sein sollen. Kein Wunder, daß die Übriggebliebenen nun die Fahne des Aufruhrs erhoben, und daß sie bei Mataram Unterstützung fanden. Erst der Generalgouverneur v. Im hoff beendete 1743