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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
Entstehung
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Die französisch-britische Periode 16701783. 90

im geheimen daran beteiligte. Eine Schar neufranzösischer Kolonisten unter der Führung von de Troyes überfiel 1686 die englischen Forts an der Südküste der Hudsonbai und bemächtigte sich ihrer. Zwar kam gegen Ende dieses Jahres ein Vertrag zwischen Frankreich und England zustande, der den Frieden in Amerika wiederherstellen sollte, aber seine Bestimmungen waren unklar und ließen ver­schiedene Auslegungen zu. 1687 brach auch der Krieg gegen die Irokesen aus, und der Gouverneur von Neuyork trat offen als ihr Verbündeter auf.

Der Sturz Jakobs II. (1688) machte diesen Zweideutigkeiten ein Ende. England trat nun im dritten Raubkrieg auch in Europa offen auf die Seite der Feinde Frankreichs. In dem neuen Freibrief Massachusetts erhielt dieses nicht nur Maine, sondern auch Akadien. Nach Canada wurde wieder der bewährte Frontenac als Statthalter geschickt mit der 'Weisung, die Engländer völlig von der Hudsonbai zu vertreiben und Neuyork zu erobern, aber militärische Unterstützung konnte ihm das Mutterland wegen des gleichzeitigen Krieges in Europa nicht gewähren. Auch die französische Marine war seit Colberts Tod in schlechtem Zustand, und daran schei­terten die 1696 geplanten Angriffe auf Boston und Neuyork. Dagegen waren die Franzosen an der Hudsonbai und in Neufundland siegreich.

Am 20. September 1697 wurde der Frieden zu Rijswijk 1 ) geschlossen. Art. 7 bestimmte die Rückerstattung aller seit der Kriegserklärung gemachten Eroberungen. Nach Art. 8 sollte eine Kommission mit der Untersuchung der gegenseitigen An­sprüche im Gebiet der Hudsonbai betraut werden, jedoch sollten die vor dem Kriege von den Franzosen eroberten und während des Krieges von den Engländern zurück­gewonnenen Plätze in französischem Besitz bleiben.

Frankreich ging also als Sieger hervor. An der Hudsonbai hatten die Eng­länder alles bis auf das Fort Albany verloren daß sich dieses noch nach dem Frieden in den Händen der Kompagnie befand, geht aus einem amtlichen Schriftstück hervor 2 ). In Neufundland blieb Placentia französisch; die geographische Nomenklatur läßt darauf schließen, daß französischer Einfluß sich damals über die ganze Südküste verbreitete. Auch Akadien verblieb Frankreich, die Grenze war aber unbestimmt: England wollte den Ste. Croix-, Frankreich den Kennebec-Fluß. Ebenso ungeklärt blieb die Lage im Gebiet der Irokesen. Völlig unversehrt gingen die englischen Kolonien an der Ostküste aus dem Kampfe hervor; das bürgte schon dafür, daß ein dauernder Friede mit Neufrankreich noch nicht erreicht war.

Begleitworte zu der Karte für 1754 auf Tafel VI.

Der Frieden von Utrecht.

1. Der Frieden von Rijswijk war in der Tat nur ein Waffenstillstand, in Nord­amerika wie in Europa, Frankreich rüstete sich auf den großen Moment, wo mit dem Tode des letzten spanischen Habsburgers, Karls II., die Frage der spanischen Erbschaft aufgerollt werden würde. Sie hatte schon bei Lebzeiten Karls II. die

) Du Mont, Corps universal diplomatique. Amsterdam 1731. Bd. YJI, 2. Teil, S. 400.

2 ) Wilson, a. a. O. Bd. I, S. 235.

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