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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die französisch-britische Periode 1670-1783.

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Seligkeit der Eingeborenen. Dagegen erhielt sich die 1697 gegründete Missionsstation Loreto an der Ostküste unter 26° B., die sich, begünstigt durch eine fruchtbare Um­gebung und einen vortrefflichen Hafen, später zum Hauptort Niedercaliforniens auf­schwang. Erst ihre Gründung leitet die endgültige Kolonisation der Halbinsel ein.

Im mexicanischen Binnenlande wurde durch die Pazifikation des Tarahumare- distrikts (167378), an die sich die Gründung von Chihuahua anschließt, und durch die Mission in Casas grandes eine breitere Verbindung mit Neumexico hergestellt. Es war um so notwendiger, als dieser Besitz sehr unsicher war. 1680 brach in Neumexico ein großer Aufstand aus; damals entstand El Paso del Norte zum Schutze der Bio grande - Straße. Der 'Wiedereroberung (1693/94) folgte 1696 eine neue Empörung, die im gleichen Jahre unterdrückt wurde. Von da ab blieb Neu­mexico dauernd unterworfen, jedoch mit Ausnahme der westlichen Pueblos und der Mokwis. Das Verhältnis zu den Mokwis (südlich vom Colorado) blieb ein wunder Punkt, denn obwohl sie zum Frieden geneigt waren, wiesen sie doch hartnäckig Christentum und spanische Herrschaft zurück 1 ).

Dem Nordosten wurde wenig Beachtung geschenkt; erst 1675 begann man mit der Missionstätigkeit in Coahuila oder Neuestremadura, wie man es damals nannte. Da erhob sich im Osten eine drohende Wolke; die Franzosen hatten den Mis­sissippi entdeckt, und 1684 fuhr, wie wir später hören werden, La Salle in den mexicanischen Meerbusen ein und erbaute das Fort St. Louis an der Matagordabai. Es wird sogar berichtet, daß die Franzosen auf den Rat eines spanischen Aben­teurers, Penalosa, einen feindlichen Angriff auf Mexico geplant haben, doch muß das dahingestellt bleiben 2 ). Immerhin sah sich Spanien gezwungen, seine Ostgrenze zu sichern. 1687 wurde das Presidio Mondova am Rio grande errichtet, und man faßte auch bereits die Kolonisation von Texas ins Auge. Als Vorposten sandte man Missio­nare dahin, die 1690 zwei Stationen am Neclies (in ungefähr 31|° N., 95° W.) gründeten, jedoch schon nach drei Jahren durch die feindlichen Eingeborenen ge­zwungen wurden, sie wieder zu verlassen. 'Ebenfalls im Zusammenhang mit den französischen Mississippibestrebungen steht die Erbauung des spanischen Forts Pensa­cola (1696) zum Schutze der Golfküste von Florida. Auch von England fühlte sich Spanien bedroht, wie wir gleich sehen werden.

Nordamerika.

1. Der englische Kolonialbesitz in Nordamerika hat in diesem Zeitraum wichtige Bereicherungen erfahren. Aus der Niederlassung am Albemarle - Sund erwuchs die Kolonie Carolina, die Karl II. 1663 einer Gesellschaft von acht Hofkavalieren verlieh. Einer seiner gefügigsten Günstlinge, Graf Shaftesbuiy, gab im Verein mit dem berühmten Philosophen Locke der neuen Kolonie eine streng aristokratische Verfassung, aber trotzdem fand der Geist der Freiheit auch hier eine Wohnstätte. Nordcarolina wurde von Leuten besiedelt, denen die Gesetze in den anderen Kolonien zu hart waren; sie schlossen sich nicht zu Städten und Flecken zusammen, sondern

9 H. II. Bancroft, a. a. O. Bd. XIII, S. 18ff.

2 ) Ebenda Bd. X, S. 392.