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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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84 A. Supan, Die territoriale Entwicklung der eimvpäischeu Kolonien.

Werbungen (mit Ausnahme von Portendick), und seitdem haben die Niederländer hier niemals mehr eine hervorragende Rolle gespielt. Aber auch die Franzosen wurden vorerst ihres Sieges nicht froh. Colbert hielt trotz der aufmunternden Erfahrungen, die er mit dem Freihandel machte, streng daran fest, daß Senegambien nur von Ge­sellschaften verwaltet und kommerziell ausgebeutet werden könne. Bis 1694 hatten sich drei Kompagnien daran verblutet: die Westindische, die erste und die zweite Senegalgesellschaft 1 ). Die letztgenannte hatte nicht einmal die Mittel, um in Arguin eine Garnison zu erhalten, und mußte Zusehen, wie Brandenburg 1685 von diesem Platze Besitz ergriff. Sein Einfluß reichte hier bis Portendick.

Das tropische Amerika.

1. Mit der Eroberung Jamaicas durch die Engländer im Jahre 1655 beginnt in Westindien die Periode der staatlichen Kolonisation. Nach der Thronbesteigung des Stuart Karl II. (1660) verständigten sich England und Frankreich über ihre gegenseitigen Ansprüche. Colbert kaufte die französischen Besitzungen von ihren bisherigen Eigentümern und übergab sie 1664 der Westindischen Kompagnie, die sich aber schon 1674 auflöste. Dann wurden die Inseln einem beschränkten Frei­handel geöffnet, die Fremden aber streng ausgeschlossen. Die Plantagenwirtschaft mit Hilfe von Negersklaven, vor allein die Kultur des Zuckerrohrs, nahm einen solchen Aufschwung, daß die westindischen Eilande schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahr­hunderts eine Bedeutung erlangten, von der wir uns heute kaum eine Vorstellung machen können. Die Folge davon war eine zunehmende Rivalität der Kolonialmächte; alle europäischen Konflikte warfen ihren Schatten auf Westindien, die Inseln gingen aus oiner Hand in die andere über, aber mit wenigen Ausnahmen stellte sich der ursprüng­liche politische Zustand doch immer wieder her. Je mehr sich geordnete Verhältnisse herausbildeten, desto lästiger wurde das Flibustiertum, das nur, solange Spaniens Macht nicht gebrochen war, als willkommener Bundesgenosse angesehen wurde. Morgans berühmte Expedition gegen Panama im Jahre 1671 war seine letzte Groß­tat. 1684 88 verlegten die Flibustier den Schauplatz ihrer Tätigkeit in die Süd­see, wo nur die Galapagos und Juan Fernandez insulare Stützpunkte boten; sie kehrten dann wieder nach Westindien zurück, setzten sich auf den Bahamas fest und wurden hier 1718/19 von den Engländern ausgerottet. Die westindische Romantik hatte damit ihren Todesstoß erhalten.

Westindische Hauptmächte waren nun neben Spanien auch England und Frank­reich geworden. Jamaica gelangte nicht nur als Plantagenland bald zu großer Blüte, sondern gewann auch als Mittelpunkt des britischen Schleichhandels nach dem spani­schen Amerika große Bedeutung. An verschiedenen Küstenpunkten von Zentral­amerika hatten sich englische Flibustier festgesetzt, u. a. auch in Belize, das 1638 vom Schotten Peter Wallace (oder Willis) gegründet worden war. Sie hatten sich dann, um den Schutz der englischen Regierung zu erlangen, aus Freibeutern in friedliche Holzfäller verwandelt und trieben einen schwungvollen Handel mit Maha-

] ) P. Chemin-Duponte, Les compagnies de colonisation en Afrique occidentale sous Colbert.. Revue coloniale Bd. II, 1902/03, S. 339, 451, 600, 717; Bd. TU, 1903/04, S. 99.