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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die französisch-britische Periode 16701783.

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und der holländische Einfluß wurde völlig zurückgedrängt. Aber das herrische Auf­treten der Franzosen und ihr Bekehrungseifer verdarben ihnen nur zu bald das Spiel; ein Aufstand der Eingeborenen, der heimlich von den Holländern unterstützt wurde, endete 1688 mit dem Sturze des franzosenfreundlichen Königs und seines allmächtigen Günstlings, worauf die Franzosen das Land verließen 1 ). Nun hatte die niederländische Kompagnie wieder die Oberhand, aber ihre weitreichenden Pläne, von denen oben die Bede war, kamen doch nicht zur Ausführung.

Das afrikanische Festland.

1. In inniger Beziehung zu Ostindien stand noch die holländische Nieder­lassung an der Tafelbai, aber auch sie gewann bald selbständige Bedeutung, als die Einwanderung zunahm und sich landeinwärts ausbreitete. 1679 wurde Stellen­bosch und 1687 Drakensteen im Tale des Bergflusses gegründet. Eine Zählung im Jahre 1682 ergab eine weiße Bevölkerung von 663 Seelen einschließlich der 300 Mann starken Garnison; 1688 kamen noch 180 französische Hugenotten, die die Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes ihrer Heimat beraubt hatte: ein höchst willkommener Zuwachs, denn keine Kolonisten sind tüchtiger als diejenigen, die wegen idealer Güter in die Fremde ziehen. So entwickelte sich die ursprüngliche Schiffahrtsstation rasch zu einer Ackerbaukolonie, nur nicht so rasch wie Neuengland, weil die Hand der Ostindischen Kompagnie, ihrer Herrin, zu schwer auf ihr lastete.

1690 erwarb die Kompagnie durch Kauf von den Eingeborenen auch die Bucht von Natal, doch machte sie hier niemals einen Kolonisationsversuch.

2. Ostafrika hatte, seitdem die Portugiesen nicht mehr Herren Indiens waren, seine Bedeutung als Etappenstraße eingebüßt. 1644 begann auch hier der Sklaven­handel nach Brasilien, die Ostseite des dunklen Erdteils bekam dadurch das gleiche wirtschaftliche Gepräge wie die Westseite. Der Schwerpunkt lag noch immer süd­lich vom Sambesi. Daß sich der Nachfolger des Monomotapa, Manusa (f 1652), taufen ließ, wurde nicht bloß als Triumph der Kirche, sondern auch der portugiesischen Herrschaft gefeiert, und nicht mit Unrecht, Das Monomotapaland wurde in der Tat immer mehr Vasallenstaat. Wesentlich trug dazu die Einrichtung der »Prazos« (Pach­tungen) bei; der Monomotapakönig verlieh an Portugiesen als Belohnung für erwiesene Dienste ausgedehnte Landschaften, wo sie als Häuptlinge mit absoluter Gewalt schalteten. Andere kauften Prazos oder bemächtigten sich ihrer mit Gewalt, 1667 berichtete der Jesuitenobere von Sena, Manuel Barreto, daß das ganze Land zwischen der Küste, dem Sambesi und einer von Tschikoa nach Sofala gezogenen Linie in Prazos geteilt sei. und Ende der 70 er Jahre zählte man deren nicht weniger als 85. Wohl erkannten diese Prazoshäuptlinge: Portugiesen, Goanesen, Mulatten, die Oberhoheit der portugiesischen Krone an, kümmerten sich aber sehr wenig um deren Befehle, und Theal bemerkt mit Beeilt, daß »die Macht der Portugiesen in Südafrika früher niemals so groß, aber die Macht der portugiesischen Begierung

1 ) L. Lanier, Ptnde historique sur les relations de la France et du royaume de Siam de 1662 h 1703. Versailles 1883.

A. Supan, Entwicklung der europ. Kolonien. 6