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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
Entstehung
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.Die holländische Periode 15981(370.

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mit deren Hilfe man den Frieden zwischen den spanischen Unterdrückern und den widerspenstigen Eingeborenen herzustellen hoffte. Dieses Ziel wurde zum Teil wohl erreicht, aber auf Kosten der Weißen und Mestizen, wie auch der Staatsgewalt, denn die Jesuiten wurden mit ausgedehnten politischen Vollmachten ausgestattet, und auf Grund derselben schufen sie einen merkwürdigen Priesterstaat auf theokratisch-sozia- listischer Grundlage, aus der mit Ausnahme der Jesuiten alle Weißen verbannt waren. Sie begannen ihre Tätigkeit nahezu gleichzeitig an verschiedenen Punkten des öst­lichen Paraguay: 1609 in Guayra im oberen Paranägebiet, wo sie am Einfluß des Pirapo in den Paranäpanema Loreto, die älteste ihrer »Reductionen« (Missions­niederlassungen mit freien Indianern) gründeten, 1610 am rechten Ufer des mittleren Parana, 1620 zwischen dem Parana und dem Uruguay (Missiones occidentales) und 1627 östlich vom Uruguay (Missiones orientales). Es war eine Zeit fieberhafter extensiver Arbeit; indem man die Missionen immer weiter nach Osten hinausschob, hoffte man eine direkte Verbindung mit dem Meere zu gewinnen. Diese Ostbewegung von Paraguay aus stieß mit einer Westbcwegmig der Paulisten von Brasilien aus zusammen. Das Gebiet von S. Paulo Avar der Sammelplatz von Abenteurern aus aller Herren Länder: Portugiesen, Franzosen, Engländern, später auch Spaniern. Aus ihrer Verbindung mit Indianerfrauen gingen ehe »Mamelucos« hervor, die womöglich noch schlimmer waren als ihre Aveißen Väter. Um Staat und Gesetz kümmerten sich diese Paulisten Avenig; es Avar ein zuchtloses Gesindel, aber tapfer, kühn und unternehmend, und ihm verdankt Brasilien die Besitzergreifung Aveiter Gebiete im Innern des Festlandes. In S. Paulo ent­brannte zuerst der Kampf zwischen Kolonisten und Jesuiten, der sich durch die ganze spätere Geschichte Brasiliens hindurchzieht; jene forderten auch die Heranziehung der Missionsindianer zu knechtischer Arbeit, scheiterten aber damit an dem Wider­stand der Jesuiten. Nun begannen die Sklavenjagden nach dem Innern (1611), die an Grausamkeit fast die der Araber in Afrika übertrafen; doch muß bemerkt werden, daß die Paulisten dabei stets auch unter den freien Indianerstämmen Verbündete fanden. Die Entvölkerung des benachbarten Landes zwang zu immer Aveiterer Ausdehnung der Jagdzüge nach dem Innern. 1628 hatten sie endlich den oberen Parana erreicht, und diesem Ansturm waren die Reductionen nicht geAvachsen. Die Guayramission erlag 1631, die Tapesmission östlich vom Uru­guay 1638, und so wurde zu gleicher Zeit Avie im Norden am Amazonas auch iin Süden die Demarkationslinie A'on Tordesillas durchbrochen. Für die Paraguay­mission hatten die Paulisteneinfälle die günstige Folge, daß sie sich mm zu beiden Seiten des mittleren Parana enger zusammenschloß. Indem die Jesuiten die Indianer beAvaffneten, schufen sie sich eine eigene Kriegsmacht, und die Niederlage, die sie 1641 den Paulisten beibrachten, setzte deren weiterem Vordringen eine Grenze. Nur am oberen Parana war die spanische Herrschaft dauernd A r erniclitet.

Das Neuland in Nordamerika.

1. Außerhalb des spanischen Nordamerika beginnt die dauernde Kolonisation 1604 in Canada, 1607 im Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten und 1610 in Neu­fundland.