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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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A. Supan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.

Das spanische Amerika.

1. Im Gegensatz zu den portugiesischen Kolonien haben die spanischen ihren Territorialbestand mit Ausnahme von Haiti nicht nur aufrecht erhalten, sondern so­gar vergrößert. Die wichtigsten neuen Erwerbungen liegen im Norden von Neuspanien.

Der ersten Expedition nach Neumexico wurde schon auf S. 32 gedacht. Trotz der Enttäuschungen wurden die Versuche 1581 wieder aufgenommen. Man verfolgte den Rio de los Conchos abwärts, dann den Rio grande am Ostufer aufwärts oder ging westlich davon nach Norden. 1598/99 unterwarf Oiiate das sog. Land der sieben Städte bis Taos und eroberte Acoma in den Zunibergen; Hauptstadt wurde San Juan de los Caballeros an der Mündung des Chama (36° B.) und später das zwischen 1605 und 1616 erbaute Santa Fe. Natürlich folgte auch hier der Unterwerfung immittelbar die Mission, die Franziskanermönchen übertragen wurde; ihr Gebiet reichte nach den Aufzeichnungen von P. Bonavides um 1630 am Rio grande von 34 bis 38° B. mul im Westen bis in das Zunigebirge und bis zu den Mokwis am Kleinen Colorado. In diesem Umfang hat sich die spanische Herrschaft bis 1680 erhalten, für welches Jahr Vetancur eine ausführlichere Statistik gibt 1 ). So bildete Neumexico einen nahezu isolierten Außenposten, der mit dem Hauptlande eigentlich nur durch den Rio grande zusammenhing, wenigstens so lange, als Chihuahua nicht völlig kolonisiert war. Expeditionen wurden von Neumexico soavoIü nach Texas wie zum Colorado unternommen, aber sie führten zu keinem politischen Ergebnis.

An der pazifischen Abdachung schob Mexico seine Grenzen stetig nach Norden vor, und zwar im unmittelbaren Anschluß an die Jesuitenmission, die in Neuspanien 1590 begann. Schon 1600 wurde die Nordgrenze von Sinaloa überschritten, 1610 wurden die Mayos unterworfen, 1638 begann die Mission im Sonoratal, und 1641 wurde die Provinz Neuandalusien nördlich vom Yaqui geschaffen, deren Haupt­stadt S. Juan Bautista sieben Leguas südlich von Moctezuma lag. Mit Recht konnte schon 1645 der Jesuit Ribas in seinem großen Geschichtswerk, das den bezeichnenden Titel »Historia de los triumphos de nuestra santa fe entre gentes las mas bärbaras y fieras del nuevo orbe« trägt, den Sieg des Christentums auf der pazifischen Seite verkünden 2 ). Merkwürdigerweise blieben trotzdem erneute Kolonisationsver­suche auf der Californischen Halbinsel fruchtlos, obwohl Ortegas Entdeckung der Perlbänke (1632) einen neuen Anziehungspunkt schuf; nur der S. Barbara-Archipel wurde 1602 in Besitz genommen 3 ). Das spanische Amerika war eben schon erstarrt, nur die Missionen waren noch ein bewegliches Element.

2. In Südamerika blühten die La Plata-Länder auf. Der Handel von Buenos Aires entwickelte sich namentlich durch den Verkehr mit Brasilien, den Spanien zur Zeit der Union trotz der Einsprache seiner Kaufleute und Perus duldete. 1620 wurde La Plata administrativ von Paraguay getrennt und als Grenze der Rio Tepicuarv festgesetzt. Paraguays Aufschwung datiert seit dem Beginn der Jesuitenmission 4 ),

0 H. H. Bancroft, a. a. O. Bd. XII, 8. 163.

2 ) Ebenda S. 172, Karte S. 176.

3 ) A. M. u. T. Dominguez, Dercchos de Mexico sobre el archipielago del Norte (Bull, de la Soe. Mexicana de Geogr. y Est-ad. 1898, Bd. III, S. 168).

4 ) .1. Pfotenhauer, Die Missionen der Jesuiten in Paraguay. Gütersloh 1891.