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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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4H A. Siipan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.

verdanken, daß es trotz seiner Schwäche in seinem Kolonialbesitz verhältnismäßig- wenig behelligt wurde. Ein Ausdruck des Monopolgeistes sind auch die Bemühungen, neue Handelswege nach Ostasien zu finden, von denen man dann ebenso alle anderen Nationen ausgeschlossen hätte, wie früher die Spanier und Portugiesen aus den süd­lichen Meeren. Nur führten jene Bemühungen nicht zu dem gewünschten Resultat, weder in der nordöstlichen Durchfahrt, nach der Holländer und Engländer 1580 bis 1608 suchten, noch in der nordwestlichen, die das ausschließliche Arbeitsfeld der Engländer bildete. Doch haben hier die Forschungen zwischen 1576 und 1632 den geographischen Gesichtskreis bedeutend erweitert; die Namen Davisstraße, Baffinbai, Hudsonstraße, Hudsonbai und Foxkanal halten noch die Erinnerung an jene Zeit fest und bezeichnen zugleich den Umkreis der Entdeckungen.

Durch den Kampf gegen Portugal und Spanien wird aber der Inhalt der da­maligen Kolonialgescliichte nicht erschöpft. Kaum minder wichtig ist der Beginn der nordamerikanischen Kolonien und damit auch einer ganz neuen Koloni­sationsart. Auch die territoriale Entwicklung der alten spanischen und portugiesischen Kolonien in Amerika macht noch bemerkenswerte Fortschritte.

Der Kampf in Ostindien.

1. Die erste englische Expedition mit ausgesprochen feindseliger Absicht gegen Portugal ging 1591 unter James Lancaster nach Ostindien. Erst vier Jahre später folgten die Holländer unter der Führung von Cornelius Houtman, aber sie waren viel rühriger als die Engländer, und ihre Handelsbeziehungen zu den Inseln des Archipels waren schon 1599 so weit gediehen, daß sie den Pfefferpreis von 3 auf 6 und' 8 sh. für das Pfund hinauf schrauben konnten. Das gab mit Veranlassung zu der Gründung der Englisch-ostindischen Gesellschaft im Jahre 1600; ihre Aufgabe war der Handel mit ganz Ostindien, aber ihr Hauptaugenmerk war dabei auf den Archipel gerichtet. Die gleichen Zwecke verfolgte die 1602 gegründete Holländisch-ostindische Gesellschaft, aber im Gegensatz zur englischen war sie mit einer großen Machtfülle ausgestattet, hatte an dem Staate, der sich die Er­nennung des Generalgouverneurs der ostindischen Erwerbungen Vorbehalten hatte, einen viel festeren Rückhalt und vertrat nicht bloß eine bestimmte Interessengruppe, sondern in Wahrheit die ganze Nation. Von Anfang an strebte sie den ausschließ­lichen Handel mit den Gewürzinseln an, bald aber auch die Ausschließung aller europäischen Mitbewerber von dem gesamten Handel des Archipels. Stets begann sie mit Defensivallianzen mit einheimischen Fürsten gegen die überall verhaßten Portugiesen, und ihre militärischen Machtmittel sie verfügte schon 1615 über ein Heer von 10 000 Mann gestatteten ihr, ihren Forderungen den nötigen Nach­druck zu geben. 1602 erzwang sie das Muskatmonopol auf den Bandainseln, 1603 gründete sie die erste Faktorei in Bantam, dem Westreich von Java, 1605 unter­warf sich Amboina, und damit begann der ernstliche Kampf mit Spanien, das, wie schon erwähnt, die Verwaltung der Molukken in die Hand genommen hatte. Auf Temate, Halmahera, Moti, Makjan, Batjan, auf den Bandainseln und auf Ceram erhoben sich holländische Forts. Der zwölfjährige Waffenstillstand mit Spanien (1609