Die spanisch-portugiesische Periode 1402—1598.
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Fürstentum Tlemcen im Hinterland von Oran, die letzte Burg der algerischen Seya- nitendynastie, lifo5 verlor Spanien auch Bougie. Philipp II. verhielt sich den nordafrikanischen Angelegenheiten gegenüber ebenso gleichgültig wie sein Vater im letzten Jahrzehnt. Erst die Eroberung von Tunis durch die Türken rüttelte ihn auf. Noch einmal lächelte den Spaniern das Glück. In der Seeschlacht bei Lepanto (1571) vernichtete Don Juan d’Austria die türkische Flotte, und in Tunis wurden wieder die Hafsiden eingesetzt. Weitere Folgen hatte dieser glänzende Sieg aber nicht, weil die Bundesgenossen Spaniens aus Furcht vor dessen Übermacht sich zurückzogen. 1574 ging Tunis endgültig an die Türken verloren. Von allen seinen Besitzungen an der afrikanischen Nordküste behielt Spanien nur einige feste Plätze ohne Hinterland: Gomera, Melilla und Oran, und für mehr als 21 Jahrhunderte scheiden nun Algerien und Tunis aus der Kolonialgeschichte aus.
Nicht besser erging es den Portugiesen in Marokko. Ihnen wie der einheimischen Dynastie der Meriniden war in den Scherifs von Sus ein gefährlicher Feind erstanden. 1536 verloren die Portugiesen Santa Cruz, und 1539 räumten sie freiwillig Safi. 1554 wurden die Scherifs Herren von ganz Marokko. Thronstreitigkeiten und Parteikämpfe, die das Land unter dem Sultan Abdel Malik zerrütteten, erweckten in dem portugiesischen König Sebastian die Hoffnung, das nachholen zu können, was sein Vater versäumt hatte. Mit einem starken Heere brach er 1578 zur Eroberung Marokkos auf, ließ sich aber von dem schlauen Feind in eine gefährliche Stellung locken und erlitt bei Kasr-el-Kebir eine vernichtende Niederlage, die ihm auch das Leben kostete. Das überseeische Algarve ging bis auf Ceuta und Tanger verloren, und von den atlantischen Küstenplätzen verblieb den Portugiesen nur Masagan (bis 1769).
Die Rivalen.
1. Gestützt auf die päpstliche Autorität, nahmen Spanien und Portugal das Besitzrecht auf die ganze außereuropäische Welt, soweit sie nicht (wie Island) schon christlichen Staaten gehörte, für sich in Anspruch. Solch eine ungeheuerliche Anmaßung hätte sich selbst dann nicht durchsetzen können, wenn keine Reformation den Bischof von Rom von seinem Weltthron gestürzt hätte. Schon Franz I. von Frankreich, obwohl ein eifriger katholischer Fürst, protestierte dagegen, daß man Länder einfach durch Proklamation annektiere. Noch schärfer formulierte 1580 Königin Elisabeth von England den wichtigen Grundsatz des Völkerrechtes, daß nur die wirkliche Besitzergreifung eines Landes das Besitzrecht begründe.
In der Tat haben Frankreich und England von jeher nach diesem Grundsatz gehandelt. Kaum war Amerika entdeckt, so treten sie als Rivalen der iberischen Staaten auf mid nutzen die Vorteile ihrer ozeanischen Lage aus. Im nordischen Aleere waren die englischen Fischer schon seit dem 13. Jahrhundert heimisch, und Island scheint von 1360 an regelmäßig besucht worden zu sein. 1491 begannen die rührigen Kaufleute von Bristol, angeregt durch Giovanni Cabotto (John Cabot), ihre Entdeckungsfahrten nach der sagenhaften Insel Brasil, und 1497 gelangte Cabot als erster Europäer nach dem nordamerikanischen Festland, nach Labrador und wahrscheinlich auch nach Neufundland. Um 1500 scheinen auch Portugiesen hierher