14 A. Supan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.
das Kap der guten Hoffnung; damit fanden die Entdeckungen ein vorläufiges Ende. Aber der Weg nach dem Osten war gewiesen, nicht mehr Afrika, sondern Indien war das Ziel.
Portugal hatte sich 1454 die Herrschaft über die entdeckten Länder südlich und östlich vom Kap Bojador »usque ad Indos« vom päpstlichen Stuhle bestätigen lassen, und Spanien hatte diese Rechte 1479 anerkannt, um seinen canarischen Besitz zu retten. Hölzerne Kreuze oder steinerne Wappenpfeiler, die an der Küste errichtet wurden, verkündigten die Ansprüche des portugiesischen Königs, der sich den stolzen Titel »Herr von Guinea« beigelegt hatte. In Wirklichkeit aber beschränkte sich seine Macht nur auf ein paar Punkte, ja die Forts Arguin und Elmina waren nichts weiter als Stützpunkte für den Handel mit Gold und Sklaven, und kolonisatorisch trat Portugal nur im Gebiet südlich vom unteren Kongo auf. Anderer Art waren die Vorgänge, die sich im benachbarten Atlasland abspielten. Hier bildeten nicht Handelsinteressen die Triebfeder der Eroberung, sondern die traditionelle Feindschaft gegen die Mauren. Ceuta blieb allerdings lange Zeit als portugiesischer Vorposten isoliert. Als aber nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken (1453) Papst Nikolaus V. zu einem Kreuzzug aufrief, griff von allen christlichen Fürsten nur König Affonso V. von Portugal, der den Beinamen Africanus führt, zu den Waffen und zwang 1471 den Sultan von Marokko zu der Anerkennung der portugiesischen Herrschaft über Ceuta, Tanger, Arsila und El Kasar-es-Saghir. Dieses Meine Gebiet im nordwestlichsten Horn von Afrika erhielt den Namen Überseeisches Al- garve. Wieder einem anderen Typus gehören die portugiesischen Inselbesitzungen im Atlantischen Ozean an. Hier entwickelten sich echte Siedelungskolonien auf feudaler Grundlage, indem diese unbewohnten Inseln erblichen Lehensleuten (Donatorios) verliehen wurden, die auf eigene Kosten für die Kolonisation zu sorgen hatten. 1419 wurde Madeira in Besitz genommen. Seit 1445 wurden die Azoren besiedelt. 1461 wanderten auf Veranlassung Dom Fernandos einige Familien aus Al- garve nach S. Thiago und Fogo aus, und von hier aus wurden im Laufe des 16. Jahrhunderts die übrigen Kapverden bevölkert * 1 ).
Die spanisch-portugiesische Periode 1492—1598.
Begleitwort zur Karte für 1529 auf Tafel II.
Die Demarkationslinie.
1. Das Jahr 1492 ist eine der wichtigsten Epochen in der spanischen Geschichte. Mit Granada fällt das letzte Bollwerk der maurischen Herrschaft auf der Halbinsel, und Columbus schenkt Spanien eine neue Welt. Damals ahnte freilich noch niemand
*) Lopez de Lima, Ensalos sobre a statistiea das Possesöes Portuguezas. Lissabon 1844ff.
I. Buch, 2. Teil, S. 7, 23.