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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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Die spanisch-portugiesische Periode 14921598.

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anderen Ländern, wahrscheinlich aus dem östlichen Sudan, Gold nach Guinea. Unter Guinea verstand man hauptsächlich den Küstenstrich zwischen Las Palmas und der Voltamündung, wo die Portugiesen einige schon früher genannte Forts besaßen. Aber auch an der senegam bi sehen Küste hatten sie sich schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts festgesetzt; besonders genannt werden Portudal, Joal und vor allem Zighinchor am Casamance. Wie tief und nachhaltig da ihre Handelsbeziehungen in das Innere reichten, beweist die Tatsache, daß sich in allen senegambischen Sprachen portugiesische Worte finden. Weniger bekannt war die schwer zugängliche Küste östlich vom Volta, im Meerbusen von Biafra be­gegnen wir aber wieder Spuren portugiesischer Kolonisationstätigkeit auf dem Festlande, der Name des Muniflusses ist portugiesisch und, in den Mitrabergen findet man noch Überreste alter Festungsbauten. In Gabun und Loango waren seit 1521 Missionare tätig; hier und am Kongo wurde allein ernster an der Christianisierung gearbeitet. Das Reich Kongo, das von den Dschaggas zeitweise erobert wurde, tritt in den Hintergrund, dagegen knüpfte der König von Angola, eifersüchtig auf die Handelsvorteile Kongos, mit den Portugiesen Beziehungen an, die 1575 zur Gründung von Loanda führten. Das gute Einvernehmen hatte nicht lange Bestand, und Portugal benutzte die Zwistigkeiten, um sich auch des Hinterlandes von Loanda (Quissama und Illamba) zu bemächtigen.

Charakter der spanischen und portugiesischen Kolonisation 1 ).

Nordafrika.

1. Nachdem einmal die Spanier durch einen Zufall in die Bahn eines Kolonial­volkes hineingestoßen worden waren, verfolgten sie ein doppeltes Ziel: Erwerbung von gold- und silberreichen Ländern und Ausbreitung des katholischen Glaubens. Die Aufstellung eines religiösen Zweckes, der nicht nur nebenher läuft, sondern in vielen Fällen die materiellen Gesichtspunkte geradezu in den Hintergrund drängte, unterscheidet die spanische Kolonisation von allen anderen derartigen Unter­nehmungen der Neuzeit; nur in den französischen tritt, aber nur stellen- und zeit­weise, der Missionsgedanke ebenfalls kräftig hervor.

Um jene Zwecke zu erreichen, mußten die Kolonien völlig unterworfen werden, und um die Unterwerfung dauernd zu machen, mußten sie mit Spaniern besiedelt werden. Aber Spanien war menschenarm; es fehlte der wirtschaftliche Antrieb zur Auswanderung, die außerdem an die Zustimmung der Krone gebunden war; die Neue Welt wurde fast nur mit Beamten, Soldaten, Geistlichen, Spekulanten und Müßig­gängern, die reich werden wollten, bevölkert. 1574 schätzte Velasco die spanische

*) Roscher u. Jannascli, Kolonien, Kolonialpolitik und Auswanderung. 3. Aufl., Leipzig 1885. P. Leroy-Bcaulieu, De la colonisation ehez les peuplcs modernes. 4. Aufl., Paris 1895. B. Moses, The Establishment of Spanish Rule in America. New York 1898. E. G. ßournc, Spain in America. New York 1904. Mit Recht betont Bourne (S. 202ff.), daß der immer wiederkehrende Vergleich zwischen der spanischen und britischen Kolonialpolitik in Amerika nicht statthaft ist. Man könne wohl Westindien mit Virginien oder Carolina vergleichen, aber die spanische Herrschaft in Mexico und Peru nur mit der britischen in Indien. Aber auch dieser Ver­gleich hinkt; in Indien ist die Bevölkerung viel dichter, die einheimische Kultur hat viel tiefere Wurzeln geschlagen, und das Klima gestattet nicht Ansiedlungen Weißer.