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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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A. Supan, Die territoriale Entwicklung der eurojmischen Kolonien.

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143,3° ö. L. Für den Verlust der Molukken wurde Spanien mit einer Geldsumme entschädigt, doch hatte es sich weitere Untersuchungen über die Rechtmäßigkeit der portugiesischen Ansprüche auf die Gewürzinseln Vorbehalten.

West- und Nordwestafrika. Sibirien.

1. In Westafrika hat die Kolonisation in den drei ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts keine nennenswerten Fortschritte gemacht, da sie nicht, wie in Ost­afrika, in unmittelbaren Beziehungen zu den portugiesischen Bestrebungen in Indien stand. Größere Aufmerksamkeit widmete man nur der Goldküste, die von einer Handelsgesellschaft (Guineakompagnie) ausgebeutet wurde; diese erweiterte die portu­giesische Einflußsphäre 1515 durch die Anlage von Forts in Axim und bei Akkra.

2. Das eigentliche Afrika endet in der Sahara, die Atlasländer Kleinafrika, wie Theobald Fischer sie treffend genannt hat sind eine Welt für sich und ge­hören physisch und geschichtlich mehr zu Europa als zu Afrika. Die Ereignisse, die sich in diesem Zeitraum hier abspielten, sind nur eine Fortsetzung der euro­päischen Maurenkämpfe 1 ). Am 7. Juni 1494 schlossen Spanien und Portugal zu Tordesillas auch einen Vertrag über die Grenzen ihrer Interessensphären im nord- westlichen Afrika 2 ). Portugal behielt sich das Königreich Fes vor, dessen Aus­dehnung an der Kordküste bis zum Gebiet der Stadt Cassaca 3 ) angenommen wurde, und besetzte in den folgenden Jahren eine Reihe atlantischer Küstenpunkte: 1506 Castillo Real (Masagan), 1507 Safi, bald darauf Santa Cruz (Agadir) und 1513 Asemmur. Mittelbar reichte sein Einfluß weit landeinwärts, so daß eine allmähliche Eroberung Marokkos wohl zu erwarten war. Ebenso vielversprechend erschienen die Fortschritte der spanischen Waffen im Osten, wo die Reiche der Seyaniten in Algerien und der Hafsiden in Tunis durch innere Wirren nicht minder erschüttert waren wie das der marokkanischen Merinidendynastie. 1496 wurde Meli 11a, 1505 Mers-el-Kebir bei Oran, 1508 das alte Seeräubernest Gomera, 1509 Oran, 1510 Tripolis, das der Verwaltung der sizilianischen Provinz unterstellt wurde, und Bougie erobert und auf dem Felseneiland Penon ein Fort erbaut, das die Hauptstadt Alger bedrohte. Da erschien ein gefährlicher Feind: die Brüder Barbarosa, griechische Seeräuber, setzten sich in Tunis fest und begannen bald auch ihre An griffe auf Al­gerien. Unglückliche Kämpfe bewogen 1518 Cheiredin Barbarosa, sich unter den Schutz des Sultans von Konstantinopel zu stellen, und so fanden die Türken auch den Weg in das westliche Mittelmeer. Kur eine zielbewußte Eroberungspolitik von Seite Spaniens hätte diese Gefahr abwenden können, aber zu der Zeit hatte Kord­afrika seine Anziehungskraft schon verloren, denn mit den Schätzen der Keuen Welt

9 Gute Übersichten geben G. Faure-Biguet, Histoire de lAfriquc septentrionale sous la domination musulmane, Paris 1905, und L. Godard, Description ct histoire du Maroc, Paris 1860. Weniger zuverlässig ist B. Meakin, The Moorish Empire, London 1899.

2 ) Martens, Recucil, Supplement, Bd. I., S. 389 (im Original); Koch-Schoell, a. a. O. Bd. III, S. 246 (in französischer Übersetzung).

3 ) Nach der Karte von Granada in Blaevs Theatrum orbis terrarum etwas westlich von Gomera.