22 A. Supau, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.
Schaft erst in den folgenden Jahrzehnten fester begründet. Östlich vom Atrato begann die Provinz Neu-Andalusien, doch gelangten hier die Spanier über die Küstern zone noch nicht hinaus, und auch hier faßte die Kolonisation nur stellenweise festeren Fuß, nämlich in Cumana, der ältesten spanischen Stadt Südamerikas, die 1521 unter dem Namen Neu-Toledo gegründet wurde, in S. Marta (1525) und in Coro (1527), in dessen benachbartem Schneegebirge man Gold vermutete. Bei den Inseln Margarita und Cuagua wurden schon die Perlenfischereien ausgebeutet, die bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts im Gange blieben.
Die portugiesischen Eroberungen in Ostindien.
1. Während sich die spanische Kolonisation auf ganz neuem Boden entwickelte, betraten die Portugiesen seit 1497 Länderräume, die in einigen ihrer Hauptzüge bereits bekannt waren, und von denen man im allgemeinen wußte, was man von ihnen zu erwarten hatte. Von allen Kostbarkeiten der ostindischen Welt galten die Gewürze als die kostbarsten. Es klingt unglaublich, welche Mengen von Gewürzen die mittelalterliche Kochkunst verbrauchte; sie sind jetzt zum Teil durch andere Genußmittel: Kaffee, Tee, Tabak, verdrängt worden. Ein schweizerischer Minnesänger aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, Herr Steinmar, verlangt in einem seiner Herbstlieder so kräftige Würzung der Speisen, daß aus dem Munde, wenn man ihn zum Trinken öffne, ein heißer Dampf, wie von einem Brande, gegen den Becher ströme. Um Durst zu wecken, begnügte man sich nicht damit, die Speisen mit Gewürzen zu »Überteufeln«, sondern man genoß diese sogar roh und für sich allem. Nur wenn man sich dies vor Augen hält, wird die Rolle, die die Gewürze im Welthandel früherer Jahrhunderte gespielt haben, erklärlich; sie gehörten neben Gold und Silber und edlem Pelzwerk zu den großen Kulturfaktoren, die die Menschheit in Bewegung setzten.
Unter den exotischen Gewürzen, deren Vorkommen damals auf Ostindien beschränkt war und zum Teil es auch heute noch ist, nimmt der Pfeffer die erste Stelle ein. Sein Anbau verbreitete sich von Malabar bis Ostborneo und von Java bis zum Golf von Siam, sein Hauptgebiet war aber Malabar, dessen schwarzer Pfeffer auch jetzt noch am meisten geschätzt ist. Außerdem produzierte Malabar Ingwer und die im Mittelalter nicht minder beliebte Kardamome. Ceylon lieferte Zimt und der östliche Archipel die Gewürznelke und die Muskatnuß. Der ganze ostindische Handel lag, wie schon erwähnt, in den Händen der Araber; er reichte im Osten über Indien bis in den Archipel und bis nach China und umfaßte im Westen die ganze ostafrikanische Küste bis nach Sofala, so daß der ganze Indische Ozean als eine arabische See gelten durfte.
Aber die Araber waren zugleich auch Verbreiter des Islam. Gerade in der Zeit, als die Portugiesen nach Ostindien kamen, vollzog sich ein wichtiges Ereignis: der Untergang des indischen Kulturreichs Madjapahit, das sich von der Mitte und dem Osten Javas über die Molukken, einen beträchtlichen Teil von Borneo, die beiden Seiten der Malakkastraße und die kleinen Sundainseln ausdehnte, durch den mohammedanischen Fürsten von Demak. Man versetzte früher dieses Ereignis in das Jahr