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Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien : mit einem kolonialgeschichtlichen Atlas von 12 Karten und 40 Kärtchen im Text / von Alexander Supan
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A. Supan, Die territoriale Entwicklung der europäischen Kolonien.

cleckimgen und Eroberungen geregelt werden sollte, indem Spanien auf den west­lichen und Portugal auf den östlichen Weg verwiesen Avurde. Jede der beiden Mächte hatte nach dieser Ansicht, die in neuester Zeit auch DaAvson A r ertrat, ein uneingeschränktes Feld vor sich, Avofern sie nur die ihr auferlegte Route einhielt.

Aus unseren Erörterungen geht zur Genüge hervor, daß sich diese neue Art von Grenzbestimmung als völlig unzureichend erwies. Sie blieb eine Quelle jahr­hundertelanger Streitigkeiten und ist niemals zu einer exakten Durchführung gelangt. Trotzdem darf die Demarkationslinie Alexanders YI. mehr als nur geschichtlichem Interesse in Anspruch nehmen, denn sie hat nicht bloß in Tordesillas, sondern auch später Nachahmung gefunden. Sie ist die Mutter aller mathematischen Grenzen, die mit Meridianen und Parallelkreisen zusammenfallen, die nicht nur in der Neuen Welt, sondern später auch in Australien und heutzutage noch in Afrika AnAvendnng fanden, und von denen bezeicknenderAveise nur die altgeschichtlichen Erdteile Europa und Asien verschont blieben. Sie sind ja so außerordentlich bequem für die Herren am grünen Tisch, die über unbekannte Erdräume verfügen, und zeigen in der Regel an, daß man das Fell schon verteilt hat, ehe noch der Bär erlegt Avar.

Für den Augenblick erfüllte die Vertragslinie von Tordesillas aber ihren ZAveck, Sie Avies den rivalisierenden Mächten gesonderte Wege an, auf denen Avir sie nun zu begleiten haben.

Die spanische Kolonisation bis 1529.

1. Die StaunensAverte Schnelligkeit, mit der Spanien sein Kolonialreich gründete, nicht bloß im Kampfe mit Naturvölkern von geringer Widerstandskraft, sondern auch mit Kulturreichen, die allerdings durch innere Zerklüftung gesellAväoht Avaren, er­klärt sich daraus, daß mit der UnterAverfung des letzten spanischen Maurenstaates eine Überfülle militärischer Kraft frei Avurde. Unfähig zu friedlicher Betätigung, hätte sie sich, Aväre die Entdeckung Amerikas nicht dazAvischen getreten, mit aller Macht auf Nordafrika gestürzt, und das wäre für Spanien Avie für ganz Europa besser gewesen. Diese militärische Kraft Avurde noch erhöht durch den in jahrhunderte­langen Kämpfen mit den Mohammedanern genährten religiösen Fanatismus. Kämpfen, das katholische Christentum verbreiten, mühelos Schätze zusammenraffen das Avaren die Triebfedern der spanischen Conquista. Sie reichten aus, um Länder zu erobern, aber nicht, um sie Avirtschaftlich zu entAvickeln und zu Stätten edlerer Ge­sittung umzuschaffen. Auf einen geAvaltigen EnergieaufAvand folgte alsbald Er­schöpfung, auf eine vernichtende Sturmflut die träge Ruhe eines Sommernachmittags;

Dieses Avilde, ungestüme und rücksichtslose Gebahren kennzeichnet schon die Erwerbung der ersten amerikanischen Kolonie: Haiti oder, wie Columbus sie nannte, Hispaniola *) 1492 erbaute Columbus das Fort La Navidad an der Nordküste, das

in seiner AbAvesenheit von den gereizten Eingeborenen zerstört Avurde; an seine Stelle trat 1498, ebenfalls an der Nordküste, die Stadt Isabella; doch mußte drei Jahre später auch diese Avegen des ungesunden Klimas geräumt Averden, und dann

q H. Handelmann, Geschichte der Insel Haid. Kiel 1856.