78
Perser, Afghanen nnd Araber haben nicht nnr des heutige Gouvernement Mozambiqne erobert nnd dort Sultanate gegründet, sondern waren an der ganzen Küste Ostafrika ansässig. Kopfsteuer, Arbeitspflicht und Heerfolge müssen sich daher noch in anderen Kolonieen in ähnlicher Weise wie bei den krnr:o8 äs. eoroa finden, es gilt nur die betreffende Verfassung zu erkennen und durch sie als Grundlage die Eingeborenen unseren Kolonisationsbestrebungen nutzbar zu machen. Ähnlich liegt es bei vielen Stämmen im Innern.
Schlußwort.
Aus Grund der Angaben portugiesischer Schriftsteller und Politiker haben wir in dieser Arbeit manches harte Urteil über portugiesische Kolonialbeamte und portugiesische Kolonialwirtschaft kennen gelernt. Das abfälligste aber und charakteristischste von allen ist das von Mousinho d'Albuquerque, der lange in Portugiesisch Ostafrika als Beamter in leitender Stelle und zuletzt als Königl. Kommissar tätig war. Dieser Nachkomme des großen Albuquergue schreibt:
„Die Verwaltungsmaßregeln, nach denen man unsere Kolonie regiert, oder besser gesagt, unglücklich gemacht hat, lassen sich in den Worten ausdrücken: Lug und Trug! Wir besitzen ungeheure Ländergebiete, auf denen wir auch nicht den geringsten Einfluß ausüben. Mächtige Häuptlinge nennen sich Vasallen der Portugiesischen Krone nnd doch ist alles nur Schein. Wir haben ein der Verfassung nach liberales Wahlsystem, demzufolge improvisierte Bürger in einer Scheinwahl einen schon vom Ministerium bezeichneten Abgeordneten wählen, der in dem betreffenden Bezirk unbekannt ist, den er zu vertreten hat. Wir haben Städte, in denen es weder Ratsmitglieder gibt, die man einigermaßen mit Anstand wählen könnte, noch Wähler, die wissen, was sie sind. Wir haben Reserveoffiziere ohne Reserve- truppen, Bataillone und Kompagnien ohne Offiziere und Soldaten, Professoren ohne Schulen und Schulen ohne Schüler ... ja sogar medizinische Anstalten ohne Mediziner, denn die Kurpfuscher, welche an der Akademie zu Goa geradezu wimmmeln, verdienen diesen Namen nicht. Und in den Nachrichten, die nach Europa kamen, sprach man nicht selten von überaus glorreichen Siegen, an welchen jedoch kein einziger portugiesischer Soldat teilgenommen; von Bundesgenossen mit unerschütterlicher Treue, die tags darauf Aufrührer waren. Zu all dem rechne man noch eine Menge von Majoren, Obersten und Ordensrittern, eine Unzahl von amtlichen Mitteilungen, viel- und langseitigen Berichten, eine Sintflut von Gesetzen, Dekreten, Erlassen und unausführbaren Bestimmungen.
Worte, Worte, Worte!"
Diese abfälligen oft pessimistisch übertriebenen Kritiken*) erklären, warum bisher der portugiesischen Kolonialgesetzgebung und den Versuchen aus dem Gebiet der Arbeiter- und Besiedelungsfrage keine oder nur geringe Beachtung geschenkt wurde. Die scheinbaren Mißerfolge schreckten vor eingehendem Studium ab.
*) Es muß hier ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die herben Kritiken auf die allerjüugste Zeit nicht mehr passen. Viele Verdienste um die Abstellung von Übelständen hat sich die Geographische Gesellschaft in Lissabon erworben, die unausgesetzt durch Forschungen, Veröffentlichungen und positive Vorschläge mit Erfolg für die koloniale Sache Portugals tätig ist.