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Die Arbeiterverhältnisse und Besiedelungsversuche in den portugiesischen Besitzungen Sao Thomé, Angola und Portugiesisch-Ostafrika / von Oskar Bongard
Entstehung
Seite
72
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Fünftes Kapitel.

Die Lehren aus den Arb eiterver hält Nissen und Besiedelungsversuchen.

In der Einleitung zur vorliegenden Arbeit ist dargetan, daß Deutschland ein zweifaches Interesse an der Kenntnis der Arbeiterverhältnisse und der Besiedelungs- versuche in den afrikanischen Besitzungen Portugals hat; einmal, um aus den Er­fahrungen der ältesten Kolonialmacht Lehren zu ziehen und das andere Mal, um den Stand dieser beiden wichtigen Fragen in den erwähnten Gebieten beurteilen zu können, falls Portugal aus irgend welchen Gründen diese Gebiete aufgeben sollte, was aber heute unwahrscheinlicher wie früher ist.

Wie an anderer Stelle erwähnt wurde, ist von den Inseln nur die Provinz S. Thoma untersucht worden, da die anderen teils ihrer Lage, teils ihrer Ver­hältnisse wegen unwichtig für die Erörterung der uns interessierenden Fragen sind; dasselbe gilt von Portugiesisch-Guinea.

Bei Beurteilung der Verhältnisse von Angola und Portugiesisch-Ostafrika ist zu berücksichtigen, daß der Mangel an Material die Untersuchungen schwierig gestaltete und in ihrer Vollständigkeit beeinflußte?)

Wenden wir uns den Lehren zu, welche sich aus den Arbeiterverhältnissen und Besiedelungsversuchen ergeben, so kann man als Hauptergebnis den Grund­gedanken eines Werks von Manuel Moreia Feio über die Eingeborenen Mozam- biques wiederholen, der in Petermanns Mitteilungen*) **) in folgender Weise aus­gedrückt wird:Der Grundgedanke ist, daß man in Afrika was die europäische Einwanderung betrifft weniger der Arme zur Arbeit als der Köpfe zur Leitung bedarf, und daß jede Kolonisation die Lehren der Klimatologie, Anthropologie und Ethnologie sorgfältig berücksichtigen muß".

Der Europäer als Arbeiter in tropischen und subtropischen Kolonien.

Als Arbeiter kann in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas nur der Neger in Betracht kommen. Ausgenommen sind natürlich solche Gegenden, welche durch ihre Höhenlage ein dem europäischen nahe kommendes Klima haben. Hier ist aber sorgfältig darauf zu achten, daß aus dem Wege zu den gesunden Ge­bieten nicht der Keim zu Malaria und anderen Tropenkrankheiten gelegt wird, sonst treten die traurigen Folgen, wie bei den Transporten der Ansiedler aus Madeira ein.

*) Legationsrat Dr. A. Zimmermann, der bekannte Verfasser des Werksdie euro­päischen Kolonien", schreibt in Petermanns Mitteilungen 50. Band 1904, IX. in einer Rezension über »Oosta Däuaräo: Lstuäos ooloniaes. Neinorias para o oonZi '6880 eolonial X aäministrahLo oivil na.8 nossas eolonias g.krioana8 IÜ88abon 1903 folgendes:Wer immer sich mit dem portugiesischen Kolonialwesen beschäftigt hat, weiß, daß bisher über den afrikanischen Besitz Portugals so gut wie gar kein Material vorhanden war. Die vorliegende Arbeit, die anläßlich des Kolonialkongresses des Jahres 1901 entstanden ist, hilft diesem Mangel nicht ab, soweit es sich um die Entwickelung und den wirtschaftlichen Stand jener Kolonien handelt, aber sie bietet ein Bild ihrer Verwaltungsgesetzgebung ....

**) Jahrgang 1904, Nr. 704.