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VI. Die Ergebnisse der verschiedenen Besiedelungsversuche.
Als Ergebnis der verschiedenen Besiedelungsversuche wird im Jahre 1902 eine Bevölkerung von 12285 Europäern angegeben. Diese Angabe ist unrichtig, denn sie enthält nicht die Zahl der Ansiedler, sondern die Gesamtzahl aller Europäer. In ihr sind die Beamten, Offiziere, Sträflinge in den Festungen, alle Leute, die sich nur vorübergehend in Angola aufhalten, viel Halbblut usw. enthalten, sodaß sie kein Bild davon geben kann, wie viel Europäer tatsächlich als Ansiedler in Angola leben. Wir halten uns daher besser an die im Jahre 1898 amtlich veröffentlichten Zahlen, welche wenn sie auch nicht grade zuverlässig sind, doch ein annäherndes Bild geben.
Der Planalto im Mossamedesbezirk, welcher durch seine klimatischen Verhältnisse für die Besiedelung mit Europäern am vorzüglichsten geeignet ist, enthielt damals im eoneslbo von Huilla 566 Weiße und 16000 Farbige, in Lubango 1609 Weiße und 591 Farbige und in Humpata 266 Europäer und 10200 „Afrikaner". Unter letzteren sind wahrscheinlich auch die dort ansässigen Boerenfamilien in der Stärke von ca. 600 Köpfen enthalten.
Die Besiedelungsversuche mit Europäern zeigen sämtlich, daß eine Ansiedelung der weißen Rasse, nur dort erfolgreich durchgeführt werden kann, wo das Klima dem Europäer zuträglich ist. An der Nichtbeachtung dieses Satzes gingen die unzähliger: Deportierten zu Grunde, welche im Laufe der Jahrhunderte nach der Ost- und Westküste Afrikas verschickt wurden und ihr fiel auch ein großer Teil der Ansiedler aus Madeira zum Opfer.
Die Verwendung von Deportierten als Ansiedler und auch der Madeiraansiedler aus der späteren Zeit, welche ja bezüglich ihres Charakters und ihrer Vergangenheit mit den Sträflingen gleich zu erachten sind, zeigen, daß nicht wahllos jeder sich zur Niederlassung in Afrika eignet.
Das tropische Klima mit seiner nervenerregenden Wirkung erfordert nüchterne, besonnene Leute, die nicht so geartet sind, daß die geringste Erregung genügt, um diejenigen Hemmungen unwirksam werden zu lassen, welche ihre Leidenschaften und Begierden zurückhalten- Nichts kann aber für die Zivilisation in Afrika schädlicher sein, als das häufige Vorkommen solcher Charaktere. Eine allmähliche, ruhige und stetige Entwickelung von Landwirtschaft und Handel wird unmöglich und es findet nur mehr eine auf roher Gewalt oder Lug und Trug sich gründende Ausbeutung der Eingeborenen statt, welche zwar die Taschen der gewissenlosen Ausländer füllt, aber das Land entvölkert und zu Grunde richtet.
Es ist unverkennbar, daß die Bevölkerung Angolas mit Deportierten der Entwickelung und Verwaltung dieser Kolonie ihren Stempel aufgedrückt hat. Die Tatsache, daß diese Provinz von den Zivil- und Militärbehörden von jeher als Deportationsplatz benutzt wurde, hielt von Anfang an die guten Elemente von Angola fern, da sie notgedrungen in der Kolonie mit den Verbrechern leben und verkehren mußten. Hierdurch kam ein Beamtenmaterial in die Kolonie, welches moralisch minderwertig war und bald in seiner Handlungsweise von derjenigen der Deportierten