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Die Arbeiterverhältnisse und Besiedelungsversuche in den portugiesischen Besitzungen Sao Thomé, Angola und Portugiesisch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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mehr aus als portugiesische Truppenteile. Hierdurch haben die Boereu in einer unruhigen Gegend, wo die portugiesische Herrschaft völlig machtlos ist, ein festes Bollwerk geschaffen, welches das weitere Vordringen der Kolonisation und Besude­lung möglich macht.

Das Bewußtsein, daß die portugiesische Regierung sich ohne ihre Hülfe in jenen Gegenden den Eingeborenen gegenüber kaum würde halten können, brachte die Boeren dazu, sich eine gewisse Unabhängigkeit zu wahren, und dies ist weder der Grund für die Regierung die Macht der Boeren durch Erschwerung der Beschaffung von Feuerwaffen und Munition, sowie durch Versagung des käuf­lichen Erwerbs von Grund und Boden zu beschränken.

IV. Die freien Portugiesen.

Unter den Ansiedlern bilden die Portugiesen, welche auf eigene Faust oder unter Benutzung der von der Regierung gewährten Freifahrt größtenteils aus dem Norden Portugals gekommen sind, das beste Material.

Im Jahre 1891 wandte sich ein starker Auswandererstrom aus dem nörd­lichen Portugal nach den afrikanischen Kolonien. Im August des genannten Jahres machten nicht weniger als 750 Auswanderer Gebrauch von der gewährten freien Überfahrt.

Da bei einer so großen Zahl von Einwanderern die Kolonialbehörden den­selben nicht an die Hand gehen und ihnen Unterkunft geben konnten, auch die Verkehrsverhältniffe noch nicht so günstig waren, daß eine größere Menge von Ansiedlern auf guten Absatz ihrer Erzeugnisse hätte rechnen können, wurde die Zahl der monatlichen Freifahrten nach den Provinzen Angola, S. Thoms und Mozam- bique auf dreißig beschränkt.

Die portugiesischen Ansiedler waren meist schon in ihrer Heimat Landwirte und wanderten nicht in der Absicht aus, sich in fernen Landen Wohlstand zu erwerben, der dann in Portugal verzehrt werden sollte, sondern sie wollten sich eine neue Heimat gründen. Diesen Vorsatz haben sie dann auch ausgeführt und sie sind eine wirklich ansässige weiße Bevölkerung geworden, wie die früher er­wähnten Nachkommen der aus den Deportierten hervorgegangenen Ansiedler Gesund, arbeitssam und nüchtern bilden sie einen erfreulichen Gegensatz zu den Kolonisten aus Madeira, welche äo Msoimsnlo als träge, lasterhaft, trunksüchtig, als Leute ohne Streben und ohne Ehrgeiz bezeichnet. Gerade wie bei den Boeren in Humpata haben die Madeirenser es vermocht im Kreise Huilla diese guten portugiesischen Ansiedler zu verdrängen. Voll Bitterkeit schreibt hierüber der er­wähnte Schriftsteller und genaue Kenner Angolas:Daneben fanden freie Ansiede­lungen von Einwanderern statt, die aus dem Norden Portugals stammen. Sie haben früher gute Tage gehabt und ihr Unternehmen blühte. Der seit vier Jahren eingerichtete Einwandererzug hat aber die Leute bewogen, anderwärts ihr Heil zu versuchen. Damit beginnt der Verfall. Jetzt kann man als Grabschrift für diese Ansiedelungen den Satz empfehlen:Hier gab es Kolonien, die Ströme von Geld aufsaugten und durch Nachlässigkeit, Sorglosigkeit und Unfähigkeit, die Lieblings­töchter unserer Kolonialverwaltung, zu Grunde gegangen sind."

Aus der Portugiesischen Provinz Algarbien stammen die Ansiedler, welche die Buchten von Porto Alexandre, dos Tigres und das Pipas in Besiedelung genommen haben. Ihre Niederlassung erfolgte vor ungefähr 50 Jahren.