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nach der Heimat von Schnaps, ihrem Lieblingsgetränk, und süßen Kartoffeln, die mühelos gedeihen, kümmerlich zn ernähren.*)
Die wenigen Ansiedler, welche es ernst genommen hatten, kehrten nach Ablauf der fünfjährigen Verpflichtung zurück, da der Mangel an Verkehrsmitteln den Absatz der Erzeugnisse ihres Fleißes unmöglich machte.
Die Behörden Angolas brachten naturgemäß den Ansiedlern aus Madeira wenig Interesse entgegen und ließen es an aller Fürsorge für sie fehlen. Schon auf dem Marsche zum gesunden Planalto im Mossamedesbezirk wurde der Grund zu Krankheiten gelegt, die unter den Kindern, den Gewohnheitstrinkern und den vielen durch ein ausschweifendes Leben geschwächten Ankömmlingen ihre Opfer forderten. Es wurde keine Rücksicht darauf genommen, ob der Marsch in der Regenoder Trockenzeit angetreten wurde, ob geeignete Kleidung und genügende Kost vorhanden war! Die Fiebergegenden wurden ohne Vorsichtsmaßregeln passiert, so daß die Ansiedler mit der Malaria behaftet an ihrem Bestimmungsorte anlangten. Häufig mußten die durch Anstrengung des ungewohnten Marsches Geschwächten ihren Durst mit sumpfigem Wasser stillen, was Erkrankung an Dysenterie znr Folge hatte.
War der Rest der Einwanderer glücklich an Orte der Ansiedelung angekommen, so blieb die Gleichgültigkeit von Seiten der Behörde dieselbe und die Leute wurden einfach sich selbst überlassen.
Unter diesen Umständen war an eine gedeihliche Entwickelung der erst so viel versprechenden Niederlassungen der Madeirenser nicht zu denken und heute bieten sie ein Bild traurigen Verfalls.
In richtiger Erkenntnis des völligen Mißerfolges hat die portugiesische Regierung die Kolonisationsversuche mit Leuten aus Madeira abgebrochen. Sie hat aber auch aus diesen Versuchen ihre Lehren gezogen und durch die Verordnung vom 16. November 1899, die wir im IV. Abschnitt dieses Kapitels untersuchen, der Wiederholung der begangenen Fehler vorzubeugen gesucht.
III. Die Boeren.
Die Boeren kamen zuerst im Jahre 1881 nach jahrelangem Herumstreifen in der Kalahariwüste und im Damaraland nach Angola,**) wo sie im Kreis Humpata mit Genehmigung der Regierung eine Kolonie gründeten, die sich durch Zuzug aus Transvaal rasch aus hundert Familien vermehrte. Bald jedoch wirkten die ver-
*) Pereira do Nascimento geißelt diesen Mißstand mit den Worten: „Es ist schmählich, daß die Behörden nicht immer mit der nötigen Strenge gegen solchen Mißbrauch vorgehen, der entsteht, wenn der Madeirenser mit seinen 700 Reis täglich ein wenig Nahrung und eine Flasche Schnaps zu sich nimmt; einige Leiter von Kolonien hatten sogar, unein- gedenk ihrer Verantwortlichkeit als Amtsperson, offene Kaufläden, in denen der Brantwein die Hauptsache war. So wurden die Laster der Verwalteten ausgebeutet! (0 disbrioto <le No88amede8 pur 1. kereira do M8eiinento, Iiwboa 1892).
**) Hie ZeoSrapiiieal journal, I-ondon 1901, berichtet auf Seite 156 in der Abhandlung Pioneer journe^ in .4,nAoIa. oapian Lo^d" folgendes:
^ Zraxüio cie8orixtion ok tln8 brelr va8 Ziven do N8 one ok tbe partieipartor8. Rvvo üundred and kikt,^ rva§§on8 lekt tüe Rraiwvaal via Xbarnas oountr^ and Iiaice AZaini, enterinA ^.nZola tlie Humide dwtriot. Rüe trek 1a8ted live zmar8, and en- eountered di8a8tei'8 innuineralile. Mie Boei'8 arrived in i1n§oIa, üavinA Io8t 250 ok tüeir peopie and 8ome 9000 eattle."