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Die Arbeiterverhältnisse und Besiedelungsversuche in den portugiesischen Besitzungen Sao Thomé, Angola und Portugiesisch-Ostafrika / von Oskar Bongard
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Die Besiedelung von Sao Thoms und die Arbeiterfrage in den portugiesisch­afrikanischen Kolonien bis zum XIX. Jahrhundert.

Bei den kolonialen Erwerbungen Portugals handelte es sich nicht um die Eroberung von Ländern, Besiedelung und Anbau derselben zum Zwecke der Schaffung richtiger Tochterstaaten, sondern es zeigte sich von Anfang an lediglich das Bestreben, dem Handel neue Gebiete zu erschließen.

Da die Portugiesische Kolonialpolitik der älteren Zeit streng an diesem Stand­punkt festgehalten hat, ist es- erklärlich, daß wir der Arbeiter- und Besiedelnngsfrage nur an einer Stelle, nämlich auf der Insel S«o Thoms begegnen.

Die Nordwestküste Afrikas war durch die rege Tätigkeit des Prinzen Heinrich, genannt der Seefahrer, der Augangspunkt für die großen Entdeckungsfahrten gewesen, deren Kühnheit noch heute die Welt in Staunen setzt. Bei diesen Fahrten wurden Niederlassungen und Forts gegründet, die aber nur den Zweck hatten, den Handel mit dem Hinterlands zu ermöglichen und zu sichern, oder als Stützpunkte für die weiteren Entdeckungsfahrten zu dienen.

Der Levantehandel war zu jener Zeit Monopol der italienischen Seestädte, die durch Vermittelung der Araber die Kostbarkeiten Indiens einhandelten und dadurch ungeheure Reichtümer erwarben. Die Entdeckung des Seewegs nach Ost­indien war daher das Streben, welches auch die Entdeckungsfahrten der Portugiesen beeinflußte, und nachdem es im Jahre 1498 Vasco da Gama gelungen war diesen Weg aufzufinden, da bildeten die afrikanischen Niederlassungen in der Hauptsache Stützpunkte für den Handelsverkehr mit Ostindien.

Nur die Inseln an der Nordwestküste machten eine Ausnahme; auf ihnen trat frühzeitig eine Besiedelung durch Portugiesen ein, da man verurteilte Verbrecher aller Art dorthin sandte. Über die Deportation nach S«o Thomö und Princips gibt Martin Behaim, ein Nürnberger aus adeligem Geschlechte, der 1484 als Kosmograph an einer der Portugiesischen Entdeckungsfahrten an der Westküste Afrikas teilnahm, Auskunft. Unter den genanten Inseln ist auf seinem Globus folgender Vermerk gemacht:Diese Inseln wurden gefunden mit den Schiffen, die der König von Portugal ausgeschickt zu diesem Posten des Mohrenlandes A. 1484, da war eitel Wildnus und kein Menschen fanden wir dar dann Waldt und Vögel, da schickt der König von Portugal nun jährlich sein Volk dahin, das sonst den Todt verschuldet hat man und frawen und gibt ihnen damit sie das fehlt bauen und sich nehmen, damit dies Landt von den Portugalesen bewohnt würde."*)

*) I. LöwenbergGeschichte der Geographischen Entdeckungsreisen", Leipzig 1881.