Einleitung
In der ganzen zivilisierten Welt steht die Arbeiterfrage, d. h. im Sinne dieser Arbeit die Frage über die Beschaffung von menschlichen Arbeitskräften, die Höhe der zu bezahlenden Löhne und die rechtliche und soziale Stellung der Arbeiter gegenwärtig im Vordergründe. In den tropischen und subtropischen Kolonien aller Staaten aber bildet sie das wichtigste Problem, von dessen Lösung die Entwickelung des betreffenden Landes abhängt.
Ein Land von größter Fruchtbarkeit, das die wertvollsten Kolonialwaren zu erzeugen imstande ist, oder in dem die kostbarsten Mineralien des Abbaus harren, ist wertlos, wenn die Arbeitskräfte mangeln, die zur Hebung dieser Schätze notwendig sind. Diese Arbeitskräfte fehlen aber sehr oft.
In den tropischen und meist auch in den subtropischen Kolonien ist der Europäer zu schwerer körperlicher Arbeit des Klimas wegen untauglich und die eingeborene Bevölkerung ist oft spärlich und schwer oder gar nicht zu freiwilliger Arbeit zu bringen. Dies liegt teils in der Bedürfnislosigkeit der Eingeborenen, denen die Natur alles zu ihrem Unterhalte nötige ohne größere Arbeit schenkt, teils in dem Volkscharakter, z. B. bei Krieger-, Hirten- und Nomadenvölkern, und schließlich auch an falscher Behandlung seitens der Europäer.
Seit der Gründung der ersten Kolonien hat man die Lösung der Arbeiterfrage in der verschiedensten Weise versucht. Ansiedelung von Europäern, sowohl von freien als auch von Sträflingen, Sklaverei, Zwangsarbeit, Blutmischung zwischen Weißen und Farbigen und Einführung von Arbeitern aus anderen tropischen Gegenden sind hierbei zur Anwendung gekommen.
Gleichfalls eine wichtige Frage für die Entwickelung der Kolonien ist die Besiedelung mit Weißen und Farbigen. Sie hängt mit der Arbeiterfrage eng zusammen und steht in solchen Gebieten, deren Wert in der landwirtschaftlichen Ausnutzung des Bodens besteht, oben an.
Da die jüngsten Kolonien ihrer Mehrzahl nach afrikanische sind, bildet die Lösung der Arbeiter- und Besiedelungsfrage im Schwarzen Erdteil eine große Sorge für die beteiligten Mächte.
Die älteste Kolonialmacht in Afrika ist Portugal, das dort schon um die Mitte des XV. Jahrhunderts festen Fuß gefaßt hat, und man sollte meinen, daß die Erfahrungen dieses Landes den anderen Nationen mit afrikanischem Besitz als