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b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 235
seine Angehörigen um jene Jungfrau anzuhalten, mußte seinen Hochmut mit einer schweren Geldstrafe büßen, als es sich herausstellte, daß er den Brautschatz nicht aufbringen konnte. Es kommt öfters vor, daß Häuptlingstöchter erst nach dem Tode ihres Vaters sich verheiraten; sie werden dann für wenig Geld von einem Witwer in mittleren Jahren, einem Polygamisten oder armen Schlucker übernommen, der lange Jahre hindurch sich vergeblich nach einer Frau umgesehen hat. Ist der Preis für das Mädchen erlegt, so wird letzteres dem Freundeskreise ihres zukünftigen Gatten in Obhut gegeben. Die Braut lebt nur bei der Schwiegermutter bis zu dem Zeitpunkte, wo es dem jungen Paare gestattet ist, seinen eigenen Haushalt zu beginnen. Kurze Zeit nach der Zahlung des Kaufpreises geben die Eltern der Braut denen, welche zum Brautschatze beigesteuert haben, ein Fest, bei welchem ein großer Teil des Geldes wieder daraus geht. Nachdem dann noch als Gegenleistung zu Ehren der Eltern der Braut ein Fest stattgefunden hat, gelten die Hochzeitszeremonien für j beendigt. Indes sind die Freunde der jungen Frau nie von einer ge- ' wissen Haftpflicht und Verantwortlichkeit für deren Aufführung frei.
Wenn sie sich z. B. mit ihrem Manne veruneinigt, und letzterer insolge- ! dessen sich weigert, das von ihr gekochte Essen anzurühren, so müssen ihre Freunde den ehelichen Frieden durch Übersendung eines Geschenkes an den ungnädigen Gatten wieder herstellen. Eine von Takuas Frauen war durch ein unglückliches Zusammentreffen die Veranlassung gewesen, daß des Häuptlings neues Bootshaus mitsamt den darin befindlichen Kähnen bis aus den Grund niederbrannte. Die unglücklichen Freunde der Frau hatten eine große Strafsumme zu zahlen, welche Tikua als Vergütung für ^ den durch die Unvorsichtigkeit seiner Ehehälfte verursachten Schaden ein- > kassierte. Dies scheint das einzige Privilegium zu sein, was die Ehe- männer auf Florida genießen, nachdem sie ihre Frauen so teuer erstanden - haben.
Arbeiteranwerbungen im Bismarckarchipel.Z s Nachdem in Lawangai die sämtliche Kopra an Bord genommen war,
! fuhren wir an der Küste von Neuhannover entlang. An verschiedenen Plätzen schickte der Kapitän Boote zum Anwerben von Arbeitern an Land. Es war mir die Gelegenheit, die Rekrutierung praktisch kennen zu lernen, um so erwünschter, als die Aufsicht über die Arbeiteranwerbuug im Bis- marck-Archipel mit zu meinen amtlichen Obliegenheiten gehörte.
. Außer dem Kapitän, welcher als erfahrener und den Eingeborenen s bekannter alter Südseekapitän in den meisten Fällen selbst als Anwerber fungierte, befanden sich im Boot nur fünf Eingeborene von der Schiffs- besatzung als Ruderer. Beile, Messer, Glasperlen, Tücher und Tabak
') Dr. Heinrich Schnee: „Bilder aus der Südsee". Mit 37 Abbildungen und einer großen Karte. Eleg. gebd. 12 M. Verlag von Dietrich Reimer (Ernst Vohsen), Berlin 8^. 48, Wilhelmstr. 29.