222 Der Bismarckarchipel und die Salomonen.
auffallend wenige Hochstämme ausweist. Noch harren jene Gegenden der Erschließung, und es wäre vermessen, behaupten zu wollen, daß die kühlere Luft gebirgiger Jnselteile nicht auch der Entwickelung kräftigeren Holzwuchses günstig sei, allein in den hoch gelegenen Teilen Neumecklenburgs, die der Verfasser besuchte, waren starke Baumstämme verhältnismäßig selten anzutreffen. Dennoch rief der dichte Busch Erinnerungen an europäischen Wald wach. Das Unterholz ist im Gebirge nicht ganz so hoch und dicht als in tieferen Gegenden, die kühle Temperatur, das schattige Laubdach, die zahllosen von einem verirrten Sonnenstrahl getroffenen und in dessen Licht aufblitzenden, Ast und Gesträuch schmückenden Tautropfen, die dichte Decke, welche mannigfache Gattungen hellgrünen Mooses über Gestein und Baumstamm ausbreiten, vor allem aber das Rauschen der Blätter in einem kräftig kühlen Winde, versetzen das Empfinden in den nordischen Hochwald. Die vorkommenden Moose zeichnen sich durch zierliche Form und große Verschiedenheit aus. Der Verfasser sammelte eine sehr beträchtliche Anzahl, von der ihm später bei einem Angriff der Eingeborenen ein Teil wieder verloren ging. Ein nicht unerheblicher Rest wurde indessen gerettet und dem botanischen Museum in Berlin überwiesen; es dürften die ersten Moose sein, die aus der immerhin bedeutenden Höhenlage von etwa 600 Meter aus diesem Teile der Südsee nach Deutschland gelangt sind. Grasbestandenes Gelände gehört in dem bis jetzt bekannten Teile des Archipels durchaus zu den Ausnahmen. Wir haben schon die Grasebene auf der Gazelle-Halbinsel kennen gelernt und gesehen, daß die drei Vulkane daselbst grasbedeckte Gipfel haben. In Ncumecklenburg fand der Verfasser eine einzige, wenig umfangreiche Stelle auf den Ost- abhängen des die Insel durchsetzenden Bergzuges, welche statt des üblichen Busches das in Java „Alang-Alang", in Südafrika „Tambuti" genannte rohrartige hochstenglige Gras ausweist.
Die Vogelwelt des Bismarckarchipcls?)
Die Vogelwelt des Archipels ist reich an Arten, deren einzelne, namentlich Tauben, Kakadus und Papageien, äußerst zahlreich vertreten sind. Der weiße Kakadu ist in Neuguinea und Neupommern sehr häufig, auf letzterer Insel wird eine Art mit blauen Augen von den Eingeborenen sehr geschätzt und gern gezähmt. Der Verfasser erinnert sich nicht, ihn auf Ncumecklenburg gesehen zu haben. Der schwarze Kakadu gehört ausschließlich Neuguinea an, wo er aber selten zu sein scheint. Papageien sind überall anzutreffen. Zwei sehr bunte Arten bevölkerten Karrawarra, verzogen sich aber bald, als auf sie geschossen wurde, um sie zur Herstellung einer ganz vorzüglichen Bouillon zu verwenden. Auf der
0 Joachim Graf Pfeil: „Studien und Beobachtungen aus der Südsee", S. 261.