b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 221
schiebungen kommen beim Monsunwechsel in der anderen Hälfte des
Jahres vor. Der Südostmonsun bringt durchschnittlich heiteres Wetter, allein, wo man seiner zähen Energie während seiner ganzen kaum unterbrochenen Dauer schutzlos preisgegeben ist, wirkt er nervenzerrüttend. Ihm stetig ausgesetzte Bäume bequemen die Richtung ihres Wuchses seinem Drucke an, nur gesundes Blattwerk kann ihm gegenüber seinen Platz behaupten, was im mindesten angekränkelt ist, wird weggefegt, wo er Küstensand umherwirbeln kann, schleift er das Gestein an. Unter
seinem Drucke ist die See stets mehr oder minder bewegt, die Kämme
der leichten Wellen zerstäubt er und führt ungeheure Mengen Salz mit sich, die er auf feuchten Gegenständen wieder ablagert. Die Zinkdächer europäischer Wohnungen werden mit Salz gleichsam inkrusüert, und wenn die ersten Regen das Dach vom Hause des Verfassers wieder abspülten, so war das in großen Tanks aufgefangene Wasser stets ungenießbar und mußte abgelassen werden. Der Heftigkeit dieses Windes entspricht es vollkommen, daß, seiner Richtung folgend, die Gewässer nach Nordwesten drängen und in dieser Bewegung auch noch gegen den weit schwächeren Nordwcstmonsun beharren, bis zur Zeit ihres allmählich eintretenden Stillstandes die ihre Bewegung veranlassende Kraft in Gestalt des Südostwindes wieder ersteht. Im allgemeinen folgen die Regen dem Winde, so daß man von einer trockenen Südostperiode und einer Regenzeit mit Nordwestwind reden kann. Allein, wie bei den Winden Abweichungen eintreten, so sind auch Anfang und Ansgang der Trocken- und Regenzeit unregelmäßig, man kann Regen haben, wenn man Trockenheit erwarten zu dürfen glaubt, und umgekehrt. So z. B. zeichnete sich der Mai des Jahres 1889 durch häufigen Regenfall aus, während derselbe Monat des Vorjahres durchweg trocken war. Die Monate Juli, August, September und Oktober können als Trockenzeit bezeichnet werden, d. h. als Monate mit geringerem Regenfalle. Absolute Trockenheit gehört zu den Seltenheiten, doch kommt es vor, daß längere regenlose Perioden eintreten. So waren die Monate Juni und Juli im Jahre 1888 so trocken, daß in Karrawarra das Trinkwasser mangelte. Die Insel besitzt keine Quelle, man sieht sich daher genötigt, Regenwasser in großen Tanks aufzufangen.
Höhenvegetation?)
Die Kokospalmen und palmartigen Gewächse scheinen im allgemeinen die höher als 200 Meter gelegenen Gegenden zu meiden, wenigstens da, wo dichte Vegetation ihnen den ungehinderten Zutritt salzhaltiger Luft mehrt. Oberhalb dieser Höhenlage ist, mit Ausnahme der vulkanischen Kegel, das Gelände fast durchgängig von dichtem Busch bedeckt, der jedoch
') Joachim Graf Pfeil: „Studien und Beobachtungen aus der Südsee", S. 210.