184 .. Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.
Lesen, Schreiben, Rechnen, etwas Geographie und in chinesischer Literatur unterrichtet. Diese Schüler waren dann monatelang die einzigen.Arbeiter, bis sie so weit geschult waren, daß sie nun selbst wieder andere Arbeiter anlernen konnten. Dabei wurde aufs neue die Erfahrung gemacht, daß es nötig ist, den chinesischen Arbeiter fest zu disziplinieren und zu organisieren, wenn man in einem modernen Betriebe, wie dem einer Seidenspinnerei, eine wirklich gute Leistung von ihm erreichen will. Darum ist die Verwaltung des Unternehmens auch daran gegangen, ihre Arbeiterschaft auf Grund fester Arbeitsverträge in der Nähe der Fabrik fest anzusiedeln. So wohnen jetzt in geräumigen Arbeiterwohnungen, nach Geschlechtern getrennt, 900 bis 1000 unverheiratete männliche und weibliche Arbeiter. In jeder Kaserne leben etwa 100 Arbeiter unter der Aufsicht chinesischer Hausväter und Hausmütter. Für die verheirateten Arbeiter ist ein Dorf mit Straßen und Plätzen erbaut; jedes Familienhaus hat einen Garten und etwas Ackerland. Jetzt wohnen hier an 300 Personen. Natürlich entsprechen sämtliche Anlagen allen hygienischen Anforderungen. Ein eigenes Hospital wird von chinesischen, europäisch geschulten Ärzten geleitet. Die Fabrik in Tsangkou stellt nur das Seidengarn her. Verwebt wird dieses zum größten Teil in Krefeld. Die Kiautschou-Seidenstoffe sind anerkannt vorzüglich, sind waschbar und sehr dauerhaft. Sie sind weit besser als die durch viele Knötchen und Unregelmäßigkeiten gekennzeichneten chinesischen Bastseidengewebe. Seltsamerweise schätzt das Publikum zum Teil noch gerade diese Fehler des Gewebes als Zeichen der „Echtheit". Insgesamt sind von Tsingtau 1906 für über 2^ Million Mark Seide ausgeführt worden.
Forstpflege und Forstschutz im Kiautschongebiet?)
Daß die Verwaltung in Tsingtau sich die Pflege des Waldes von Anfang an so ganz besonders hat angelegen sein lassen, gehört zu ihren größten Verdiensten. Ein leichtes Stück Arbeit war das nicht. Vor 1000 Jahren noch, so berichten die chinesischen Chroniken, war auch der Lauschan noch bewaldet. Je weiter die ausschließlich ackerbautreibende Bevölkerung Schantungs sich ausbreitete, desto mehr vernichtete kleinbäuerliche Wirtschaft auch hier den Wald. In bergigem Land ist das noch verhängnisvoller als in der Ebene. Das Wasser, zumal die wolken- bruchartigen Güsse in der Regenzeit schwemmen alles Erdreich von den Hängen ab, und es bleiben die nackten kahlen Felsenhügel. So mußte auch im Schutzgebiet erst wieder eine Erdschicht gebildet und das Wasser festgehalten werden. Beides geht ja Hand in Hand. Darum wurden die Ränder der natürlichen Wasserrinnen, der Ravinen, bepflanzt, damit diese
*) Aus Weicker: „Kiautschou, das deutsche Schutzgebiet in Ostasien." (Berlin, Alfred Schall, 1908.)