178 Das Schutzgebiet Kiautschou in Ostasien.
folgen, und diese im Juli und August ihren höchsten Grad erreichen, um im Oktober wiederum mit raschem Wechsel einem kühlen Herbst zu weichen. Auf den Karten von Fritsche liegt die Provinz im Januar zwischen den Isothermen von — 4« und 0«, im Juli zwischen denen von 26o und 27«; diese Zahlen entsprechen einer mittleren Mittelwinterkälte wie in Deutschland, dagegen einer Hochsommerwärme wie in Algier und Athen, Batavia und Singapur; doch werden im Winter die Kälteextreme von Deutschland selten erreicht. Das Jahresmittel liegt zwischen 120 unk» 130, d. i. wie Mailand und Bordeaux. Die Eisbildung im Winter ist nicht beträchtlich. Tschifu gilt für eisfrei, und bei Kiautschou bildet sich Eis an den nördlichen Rändern der Bai, aber es soll nie großen Umfang erhalten und nicht lange andauern. Das Gefühl der Kälte wird allerdings gesteigert durch die heftigen Winde und den unvollkommenen Schutz der chinesischen Wohnungen. Im Frühjahr empfand ich den Wechsel kalter Morgen und Abende und großer Wärme in den Mittagsstunden. Es war eine Folge des heiteren Wetters und der trockenen Luft. Die Hitze des Sommers ist wahrscheinlich im Inneren sehr fühlbar, besonders wenn im Spätsommer heftige Regen eintreten und die Luft feucht ist. An der See wird sie gemildert; so wird Tschifu als Sommerfrische und See-Badeort von den Fremden aus Schanghai aufgesucht.
Vegetation von Schantung.*)
Kahle Berge und üppiger Anbau in Thälern und Ebenen, das ist jetzt der Charakter von Schantung. Es giebt keine Wälder, außer wo ihnen der geheiligte Grund in den Umgebungen von Tempeln Schutz gewährt hat. An einigen Stellen fand ich Pflanzungen von Kiefern mit zehn- bis zwölfjährigem Umtrieb. Gruppen hoher Bäume, insbesondere in der Umgebung der Dörfer, und zusammenhängende Pflanzungen von Obstbäumen oder Maulbeerbäumen entschädigen etwas für den Mangel an Wäldern, aber der Gesamteindruck kahler Berge heftet sich an die Erinnerung der Landschaft. Es kann nicht immer so gewesen sein. In einer Gegend, wo die Winterkälte den vollkommenen Winterschlaf der Vegetation gestattet und bereits im Vorfrühling Niederschlüge beginnen, die dann zunehmen, bis im Hochsommer eine übermäßig starke Befeuchtung erfolgt, da sind die Bedingungen für das Bestehen eines Pflanzen- kleides bis zu den Kämmen der Gebirge gegeben; die heiligen Haine der jetzigen Tempel könnten und sollten sich in einem Waldteppich über Hügel und Berge erstrecken. Dies ist früher der Fall gewesen. Aber, wie in anderen alten Kulturländern, hat auch hier seit früher Zeit der
') von Richthofen: „Schantung", S. 80.