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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
Entstehung
Seite
159
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b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 159

die Zeit erlaubt, in der Frühjahrssaatzeit angelegt. Ist auch die Einsaat vollendet, so dauert doch die Mühe und Arbeit bis zur Ernte der Pflanzen. Das Reinhalten der Felder ist keine Kleinigkeit bei dieser tropischen Vegetation, wo das Unkraut zum Verdrusse der schwarzen Bauern noch weit mehr als bei uns in Europa wuchert. So sind die Frauen und Kinder, meistens auch die Sklaven, in den Farmen das ganze Jahr über eifrig mit dem Ausjäten des schädlichen Unkrauts beschäftigt. Iams und Reis erfordern im allgemeinen eine höhere Kultur; man sieht daher diese Farmen fast immer wohl bestellt und von Unkraut frei. In den sandigen Küstengegenden, wo überall die dürftige Kassava angepflanzt wird, nimmt man es mit der Reinhaltung der Felder nicht so genau. Eine solche Kassavafarm sieht dann häufig wild aus, während ab und zu dazwischen einzelne Bananen oder auch Oelpalmen das romantische Bild beleben.

Während der Zeit der Feldbestellung verlassen zum großen Teil die jungen Familien das Dorf und lassen sich in der Farm nieder, wo sie während der ganzen Zeit in einigen kleinen Grashütten Hausen. Mit­unter kann man auf den Farmen auch kleine Wächterhütten sehen, welche den während der Ernte die Felder bewachenden Leuten als Unterkommen dienen. Jeder Dieb, der es wagt, auch nur ein paar Aamsknollen oder Reisstauden auszureißen, wird rücksichtslos von dem Eigentümer der Farm niedergeknallt, denn nach den überlieferten Rechtsanschauungen der Eingeborenen ist jeder Eigentümer berechtigt, einen auf der That ertappten Felddieb ohne weiteres niederzuschießen. Auch schützen die Leute ihre Felder gegen Vögel oder Wild durch Vogelscheuchen, die in kleinen Klappern oder Eisenglocken bestehen.

Lome, die Hauptstadt der Togokolonie?)

Wer Lome vom Meere aus betritt, kommt zuerst in die Strand­straße, vor der unter einer Reihe von Grasschuppen die gesamte Boots­flottille der Stadt sofern sie nicht zur See ist Schutz vor dem Sonnenbrände findet. Ganz am Ostende erheben sich die Gebäude der katholischen Mission aus Steyl, voran das zweistöckige Haupthaus von 24 va Länge und 6 m Breite, dessen Außenwände weiß gestrichen sind und ringsum von einer Veranda umgeben werden. Das gleichfalls weiße Dach besitzt einen 10 w hohen Spitzturm, der zur Sicherheit gegen Gewitterschaden mit einem Blitzableiter versehen ist. Das Erdgeschoß dient als Kapelle und erste Schulklasse und enthält auch ein Sammel­becken für das Regenwasser. Im oberen Stocke wohnen die Missionare. Die Kapelle ist derschmerzhaften Mutter Gottes" geweiht und dem­entsprechend bildlich geschmückt. Da der Raum nicht mehr genügte, wurde er letzthin durch einen Vorbau vergrößert, so daß jetzt gegen 300 Per-

*) Aus H. Seidel:Lome, die Hauptstadt der Togokolonie", S. 11 ff.