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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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91
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d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 91

Bei dem weiblichen Geschlechte ist die Eitelkeit und der damit verbundene Nachäffungstrieb stark hervortretend; sie lieben es, sich mit möglichst bunten Tüchern zu schmücken, wissen aber doch sehr wohl das haltbare, gute Material von dem schlechteren, wohlfeileren zu unterscheiden. In noch höherem Maße als den übrigen südafrikanischen Eingeborenenrassen eignet ihnen eine große Fähigkeit, fremde Sprachen zu erlernen, ja die Eitelkeit veranlaßt sie sogar, eine solche der eigenen Muttersprache vor­zuziehen, und nicht selten kann man Zeuge sein, wie sich Hottentotten untereinander ohne Grund auf holländisch unterhalten. Sie sind große Freunde der Musik, und was der Missionar bei den Ovaherero oder den Ovambo umsonst anstrebt, nämlich einen reinen Chorgesang, gelingt ihm bei den Kindern der Hottentotten unschwer. Oft ist man über die scharfe und logische Denkungsweise der Leute erstaunt, wie sie auch trotz der scheinbar unbehülflichen Sprache im allgemeinen gute und logisch denkende Redner sind, was bei Gelegenheit von Ratssitzungen z. B. ganz besonders zu Tage tritt.

Das Alter wird in hohem Maße geehrt, wie denn auch die Jugend stets und gern auf den Rat der ergrauten Männer hört, denen überhaupt bei jeder Gelegenheit der Vortritt gelassen wird. Im Hause ist die Frau unbeschränkte Herrin, sie sitzt zur Rechten des Hausherrn, und ohne ihre Erlaubnis darf dieser weder einen Schluck Milch noch einen Bissen Fleisch zu sich nehmen. Diese thatsächliche Herrschaft des Weibes innerhalb der Hütte spricht sich schon in der BezeichnungTaras" aus, die der Ehefrau beigelegt wird, indem, wie Theophil Hahn dargethan hat, Taras von ta, erobern herzuleiten ist.

Wohl erkennt der Hottentotte rückhaltlos an, daß ihn der Branntwein moralisch und ökonomisch ruiniert hat, aber getragen von dieser Erkenntnis verachtet er auch den Europäer als die indirekte Ursache dieses Nieder­ganges und läßt ihn diese Verachtung mit besonderer Vorliebe fühlen.

Die Buschmänner.')

Ab und zu bekam ich wohl den einen oder anderen zu Gesicht. Sie haben sich scheu in die Kalahari zurückgezogen und leben hauptsächlich von der Jagd. Sie sind äußerst bedürfnislos, besitzen selten oder niemals Vieh und durchziehen die Kalahari. Ihrer Gewalttaten und Räubereien wegen sind sie sehr gefürchtet.

Die Weiber der Buschleute ziehen des Morgens vor Sonnenaufgang ins Feld mit kleinen, harten Kürbisschalen als Wassergefäßen. Dann saugen sie in einem Grashalm die Tauperlen auf, die auf Gräsern und Büschen liegen und sammeln sie in ihren Schalen als Trinkwasser für den Tag. Dies geht unglaublich schnell, und im Umsehen ist ein Gefäß gefüllt.

') Marg. v Eckenbrecher: »Was Afrika mir gab und nahm", S. 89. (Verlag von E. S. Mittler L Sohn. Berlin.)