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Deutsch-Südwestasrika.
einem Dezennium in sämtlichen Stämmen vertreten gewesen sein, und die Priester sollen eine solche Macht besessen haben, daß die Häuptlinge, vielleicht aus Furcht, es möchten ihnen mit der Zeit aus denselben gefährliche Prätendenten entstehen, auf Entfernung der Angehörigen dieser 68imo drangen und zwar mit solchem Erfolge, daß wir zur Stunde nur noch einen kläglichen Rest in den nördlichen Stämmen Evale, Ehanda rc. vorfinden. Im Süden ist an die Stelle des Priesters, der ehemals sämtliche religiöse Zeremonien zu leiten hatte, ähnlich wie im Herero- lande, der patsr kamilia8 getreten, und nur bei sehr wichtigen, das allgemeine Wohl betreffenden Vorgängen oder Wünschen wird durch eine feierliche Gesandtschaft der Rat der in den Norden zurückgedrängten Ovakuananime geholt. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn es sich nach langer, anhaltender Dürre um Einholung des Regens handelt, der nach den Ansichten der Ovambo im Besitze der Ahnen der Ovakuananime (im Otjiambo aa8i8i oder 0va8i8i genannt) ist, oder auch, wenn irgend ein geheimnisvoller Zauber vorgenommen werden soll.
Charakter der Hottentotten. *)
Wie man sich bei uns den Hottentotten gern als den Ausbund aller Häßlichkeit vorstellt, so denkt man sich ihn auch als den Typus des psychisch auf niederster Stufe stehenden Menschen; und zu diesem Zerr- bilde haben leider einzelne Missionare keineswegs den geringsten Teil beigetragen, wie sich der Leser leicht an der Hand von Missionsberichten überzeugen kann. So große Fehler auch der Hottentotte hat, so groß sind doch auch wieder seine Vorzüge, die ihn weit über seine dunkler gefärbten Nachbarn emporheben. Der Hottentotte ist in jeder Beziehung gefällig; und seine Bereitwilligkeit dem Bedrückten und Hülfsbedürftigen beizustehen, beinahe unerschöpflich. Die Gastfreundschaft, die er dem Besucher anbietet, ist unbegrenzt, mag aber allerdings weniger dem Bedürfnisse, überhaupt Gutes zu thun, entspringen, als dem Gedanken, selbst einmal in die Lage zu kommen, die Hülfe des nun bei ihm Anklopfenden in Anspruch nehmen zu müssen. Er teilt jeden Bissen und jede Pfeife Tabak mit seinem Nächsten, verlangt aber auch von diesem wiederum dieselbe Behandlung; Geiz und Habsucht sind ihm im großen und ganzen fremd. Diesen Tugenden stehen aber große Fehler entgegen: Wankelmut, ja sogar Treulosigkeit, die Sucht, stets den großen Herrn, den „Groot- mann", zu spielen und ein verderblicher Hang zu geistigen Getränken wie zu Unzucht. Die Folgen der beiden letzten Laster sind es, die den Hottentotten rasch dem unabwendbaren Untergänge entgegengeführt haben; der Branntwein hat ihre Rinder und Kleinviehherden verschlungen, Krankheiten die Kinderzahl verringert und die Rasse überhaupt geschwächt.
0 Dr. H. Schinz: „Deutsch-Südwestafrika", S. 81 u. 82.