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Deutsch-Südwestafrika.
Der Physische Typus der Herero?)
Das von der Hererorasse in Anspruch genommene Gebiet wird im Süden von einer von Olifantskloof über Gobabis und Otjizeva nach Otjimbingue gezogenen und durch den Lauf des Tsoachaub bis zu dessen Mündung in den atlantischen Ozean fortgesetzten Linie, im Westen, abgesehen von der schon früher erwähnten Topnaar-Enclave, vom atlantischen Ozean, und im Norden endlich von einer von Cape Croß über die dem Omambonde-Becken zugewendeten Ausläufer des Omuweroumwe nach Olifantskloof trauerten Linie begrenzt. Die Ovaherero bezeichnen ihr Land mitunter als „Uuherero"; für unseren Gebrauch ist die Benennung Hereroland dem von Cngländern und Holländern eingeführten Ausdruck „Damaraland" unbedingt vorzuziehen.
Hinsichtlich ihres physischen Typus schließt sich die Hererorasse eng an den der übrigen südlichen Bantuoölkern an, was in dieser Beziehung von diesen gilt, kann auch im vollem Umfang für jene bestätigt werden. Der dolichocephale und nur schwach prognathe Schädel ist schmal und lang, die Stirne meist hoch und gewölbt, die Nase nicht abgeflacht, wie bei den Hottentotten, sondern hervortretend und bald sanft, bald scharf gekrümmt. Wohl sind auch bei den Ovaherero die Backenknochen hervortretend, ohne jedoch, wie bei der Hottentottenrasse, den größeren Teil der Gesichtsfläche zu okkupieren; bei mehr oder weniger spitzem Kinn sind die Lippen aufgeworfen, aber ohne sich zu Wülsten auszubilden. Das tiefschwarze Haar ist wollig, vermag jedoch mit der Zeit in bis 1 m lange weite Strähne auszuwachsen; der Bartwuchs ist spärlich und gewöhnlich auf das Kinn beschränkt, seltener auch auf die Backen ausgedehnt. Die übrigen Körperteile sind mit Ausnahme der Hand- und Fußsohlen — wie ich im Gegensatz zu Friedr. Müller berichten muß — dicht mit starkem Flaum überkleidet. Die Vorderarme sind oft auffallend lang, Hände und Füße knochig und groß; die kräftige Muskulatur tritt namentlich an den Schenkeln deutlich zu tage, und verleiht der ganzen Erscheinung, die in der Größe dem Durchschnittsmaß des Norddeutschen wenig nachsteht, einen nicht unschönen Ausdruck. Die Hautfarbe nähert sich der des gekochten Kakao, doch soll nach Angaben von Missionaren die Färbung der Ovambandjeru häufig in ein leichtes Braunschwarz überspielen; ich selbst habe jedoch diesen Unterschied nicht bemerken können. Bei großen Anstrengungen, wie Dauerlaufen und Tanzvergnügen, ist die Schweißabsonderung eine außerordentlich starke und von einem säuerlich unangenehmen Gerüche begleitet. Gesicht und Gehör sind unleugbar schwächer als bei der Hottentottenrasse entwickelt, in Körperstärke und Ausdauer im Laufen und Tragen rc. sind sie dieser aber wiederum weit überlegen.
') Dr. H. Schinz: „Deutsch-Südwestafrrka", S. 146 u. S. 147.