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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher.

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' Die Termite, i)

Die Termiten sind eine Ameisenart,^) die sich besonders häufig im tropischen Amerika und Afrika findet. Sie leben gesellig in großen Kolonien. DieSoldaten" besorgen die Verteidigung, dieAr­beiter" den Bau des gemeinschaftlichen Nestes und die Pflege der Brüt. DieKönigin" zeichnet sich durch ganz außerordentlich entwickelten Um­fang ihres Hinterleibes aus. Die Termiten bauen aus Lehm und Sand, mit Speichel gemischt, zuckerhutförmige, gemeinschaftliche Woh­nungen. Solche Termitenhügel sind oft bis fünf Meter hoch und so hart, daß sie dem stärksten tropischen Regen widerstehen und nur mit Hacken und Brecheisen zerstört werden können. Den Menschen sind die Ter­miten sehr lästig und schädlich. Sie unternehmen nächtliche Wanderungen, dringen in die Häuser ein und zerstören hier namentlich alle Holzteile (Balken, Möbel, Kisten, Gerätschaften). Dabei höhlen sie aber nur das Innere aus und schonen die Oberfläche, so daß schließlich anscheinend unversehrte Gegenstände bei leichter Erschütterung zusammenstürzen. Sie fressen auch gern an der Wand hängende Kleidungsstücke, Gardinen, Handtücher an. Und nimmt man diese am Morgen von der Wand, so zerfallen sie in einzelne Stücke. Ich habe es erlebt, daß sie ein ganzes Regal mitsamt den Büchern ausgehöhlt hatten. Die Bücher standen schön in Reih und Glied aufgebaut. Da stieß zufällig eine ungeschickte Hand an eines derselben, und sämtliche Bücher fielen in sich zusammen.

Wie oft kam es vor, daß wir eine schwere Kiste heben wollten; das ging auf einmal so leicht. Wir hoben die Kiste, der Boden gab nach und war mitsamt dem Inhalt aufgefressen. Hinter Bilder nagelt man gewöhnlich Blech, um sie zu schützen. Jedoch viel nützt es auch nicht. Die Termiten bauen Röhrchen darum herum und marschieren in ihnen entlang, bis sie zu der einmal beabsichtigten Stelle kommen. Auf diese Weise erreichen sie auch von der Wand entfernt stehende Gegenstände. Das Sicherste gegen diese Plage ist Zement, weil sie ihn nicht durchgingen können; sind sie aber einmal in einem Hause drin, so müssen sämtliche an der Wand stehende Gegenstände täglich untersucht werden. Findet sich irgendwo eine Termitenstraße, dann spritzt man mit Petroleum; das vertreibt sie wenigstens auf längere Zeit, bis sie eben an einer anderen Stelle wieder zum Vorschein kommen.

*) Marg. v. Eckenbrecher:Was Afrika mir gab und nahm", S. 112. (Verlag von E. S. Mittler L Sohn, Berlin.)

2) Die Termiten sind, naturwissenschaftlich betrachtet, anderen Insekten näher verwandt als den Ameisen- Weil sie aber wie diese ein geordnetes Staatswesen besitzen, das aus geflügelten Männchen, wenigstens anfangs geflügelten Weibchen und ungeflügelten Tieren, den Soldaten und Arbeitern, besteht und diese letzteren wegen ihres Aussehens auch weiße Ameisen heißen, werden sie gewöhnlich für eine Ameisenart gehalten.