b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 85
Nach kurzer Zeit verziehen sich die Regenwände, um an den hohen Gebirgen noch längere Zeit zu haften, bisweilen aber kehren sie mehrfach an einem Tage wieder und in einer besonders nassen Zeit kann es vorkommen, daß sie sich in einen ergiebigen Landregen verwandeln, der zwölf Stunden und darüber anhält. Noch prächtiger aber als die dunkle Glut, in der nach einem Regentage die Sonne untergeht, ist das ununterbrochene elektrische Feuer, das bisweilen abends die Höhen ringsum erhellt und das auf kurze Zeit das ganze Land taghell erleuchtet. Wie eine Geistererscheinung tauchen überall am Horizont die Berge vor dem blauen Leuchten auf, um erst nach Stunden wieder gänzlich in der Finsternis zu versinken. Rabenschwarz sind wieder andere Nächte in dieser Zeit, und nun treten Laternen der verschiedensten Form und Größe in ihr Recht, denn auch in dieser Zeit der langen Tage beginnt die volle Dunkelheit bald nach 7 Uhr, und wen sein Weg dann noch ins Freie führt, der wird nur ungern ohne Licht gehen, da gerade jetzt schleichendes und kriechendes Getier aller Art in Gras und Gebüsch sein Wesen treibt.
Zwei merkwürdige Gewächse der Küstenregion des Hererolandes?)
Zwei Gewächse der in der Nähe des Ozeans sonst überaus sterilen Namib fesseln namentlich unsere Aufmerksamkeit: es sind diese die
inii-nbilis Iloolc. und die nicht minder interessante ^.eantbosie^os llori-iän Die erstere, die Welwitschia, aus Abbildungen und Be
schreibungen genügend bekannt, kommt auf der Namib bis nach Hailguin- chab zerstreut in zahlreichen Exemplaren vor; der gegen allzuscharfe Erwärmung und darau resultierende übermäßige Verdunstung durch eine dicke Korkschicht wohl geschützte „Stamm" steckt meist vollständig im Sande, während die in Längsstreifen zerschlitzten, bis 3 m langen Blätter in oft wunderlichen Verkrümmungen dem Sande aufliegen. Der nächst nördlich bekannte Standort der Welwitschia ist das Kap Negro, südlich der portugiesischen Stadt Mossamedes, von wo sie Welwitsch 1860 nach Europa sandte.
Die Naras (^.onntlioZio^os borricka), ein zu der Familie der Cucurbitaceen?) gehöriges Gewächs, ist ebenfalls erst durch Welwitsch der wissenschaftlichen Forschung zugänglich gemacht worden, obwohl sie längst vor ihm schon von Kapitän Alexander (der sogar die Frucht trefflich abgebildet hat), von Andersson und Gallon beobachtet und beschrieben worden war. Ihr Verbreitungsbezirk scheint sich von Sandwichhafen bis zum Kap Negro hinauf zu erstrecken, wie aus den Berichten Anderssons hervorgeht, der ihr Vorkommen bis Kap Croß und in der großen Fischbai erwähnt. Nach Th. Hahn soll die Naras auch am
l) Dr. H. Schinz: „Deutsch-Südwestasrika", S. 466—68. ^ Kürbisgewächse.