b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 71
suchen, angestrengt nach dem Schluchteingang spähend, zu erkennen, wer sich naht. Jetzt werden Pferde sichtbar, und zugleich ertönt eine Stimme, die Troosts: „Nicht schießen! — Leutnant Troost! — „Wir schießen ja nicht!" „Es sind die Witboois!" „Absteigen!" „Runter von den Pferden!" schallt es zurück, und gleichzeitig wird unser Feuer lebhafter und unter seinem Schutze langt der Offizier mit seiner Patrouille glücklich bei uns an. Er war zur Verstärkung des Postens Zarradt abgeschickt worden, der am 27. hart bedrängt wurde, und kehrte nun zurück. Von Diestel und Sander, die mit nur acht Mann die Geschütze verteidigt und in größter Gefahr geschwebt hatten, erfuhren wir die Vorgänge bei der 1. Kompagnie:
Diese war unter der heldenmütigen Führung des Hauptmanns v. Estorff um 6*/, Uhr morgens in den Haupteingang der Naukluft eingedrungen, nachdem die Geschütze die auf den Höhen rechts und links liegenden Schanzen unter Feuer genommen hatten. Heftiger Widerstand empfing die sprungweise vorgehenden Schützenlinien, die aber in unaufhaltsamem Vordringen blieben und den Feind, der sich ganz gedeckt in vorzüglichen Stellungen befand, nach furchtbaren Anstrengungen zurückwarfen. Hauptmann v. Estorff, der am linken Fuß verwundet wurde blieb gleichwohl zu Pferde und bei der Kompagnie, die unter Kreuz- und Rückenfeuer von den Berghängen, nachdem das erste Gefecht am Schluchteingang um 8 Uhr beendet war, um 11 Uhr die Hottentotten aus einer zweiten Stellung im Schluchtinnern geworfen hatte. Schon waren mehrere schwere Verwundungen zu verzeichnen, und Leutnant Volkmann mußte mehrfach seitwärts gegen die Schanzen an den Bergabhängen vorgehen. Nur eine Stunde später entbrannte in der Hauptwerft Witboois ein neuer Kampf, und der Feind zog sich trotz heftigen Geschütz- und Gewehrfeuers erst zurück, als es Volkmann gelungen war, eine die feindliche Stellung überhöhende Kuppe zu erklimmen.
Der Entsatz von Omaruru. *)
Am folgenden Tage wurde um 4 Uhr 30 morgens wieder angetreten und Osombimbambe erreicht, wo die Werften des Hererohäupt- lings Manasse durchsucht und leer gefunden wurden. Hauptmann Franke hoffte, daß das bloße Erscheinen seiner Kompagnie den Omaruru-Hereros Furcht einjagen und sie wieder beruhigen würde. Um den Eingeborenen das Erkennen seiner Person zu erleichtern, legte er eine weiße Korduniform an und ritt seinen im ganzen Bezirk Omaruru bekannten Schimmel.
Als die Kompagnie gegen 9 Uhr vormittags auf etwa 1500 m an das Haus Manasses herangekommen war, erblickte man im Grunde östlich
*) Kriegsgesch. Abteilung I des Großen Generalstabes: Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika. S.48. (Verlag von E.S. Mittler LSohn, Berlins