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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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Deutsch-Ostafrika.

stellung des Mehlbreis sich im Topf ansetzt, in einer Rindenschachtel auf­bewahren.

Die enggeschlossene Kolonne der Wanderlustigen zieht unter einem Führer (Ndewa) in ganz kleinen Tagemärschen zur Küste bis nach Baga- moyo, wo das mitgebrachte Elfenbein nach manchmal monatelangem Verhandeln an Jndier verkauft wird, oder wo sie sich alsdann als Träger für die Rückreise verdingen. Vor Antritt der letzteren wird wiederum eineMedizin" gemacht. Jeden Tag streut man im Lager eine Quantität Mehl auf alle zuführenden Wege, wohl damit böse um- herstreifende Geister dort ihre Nahrung finden und die Reisenden ver­schonen. Bei der Ankunft im Heimatsorte wird das Gesicht abermals mit Mehlbrei beschmiert, während die wartenden Frauen sich Asche auf den Kopf streuen. Unter Gesängen und Tänzen werden in kurzer Zeit die wenigen Reichtümer verpraßt, die ihnen noch übrig geblieben sind, denn auf dem Rückmärsche haben sie schon gewöhnlich einen Teil ihres Verdienstes in Nahrung umgesetzt.

Karawanen-Lager, i)

Nach einigen Stunden weiteren Marsches ist das Safaris an der zum Lagerplatz auserkorenen Stelle im Walde angelangt. Es sind noch viele alte Lagerstellen vorhanden. Doch aus Reinlichkeitsrücksichten ziehen die Weißen zum großen Aerger der Leute etwas weiter. Nun entsteht allge­meines Durcheinander. Die Träger setzen ihre Lasten nieder und binden ihr persönliches Eigentum ab. Ihre Arbeit ist für heute gethan. Es liegt nun den Askari^) und Rugaruga^) ob, die Lasten geordnet auf- zuschichten, nachdem in kürzester Zeit mit Beilen schenkeldicke Stämme abgeschlagen sind, um als Unterlage für die Lasten im Zelte zu dienen. Ohne diese Vorsichtsmaßregel würden die Waren über Nacht unbarm­herzig von den allgegenwärtigen Termiten zerfressen werden. Ueber die Lasten werden die dachförmigen, nach arabischem Muster geschnittenen Zelte auf lange Bambusstangen gespannt. Ein anderer Trupp hat in­zwischen die Schlafzelte der Europäer aufgerichtet, welche sich bequem auf die leicht zerlegbaren Sessel gestreckt haben und behaglich auf das bunte Treiben und Gewimmel blicken. Die Hauptleute haben vor allen Dingen dafür zu sorgen, daß die Hütten der Träger und Soldaten in weitem Kreise ums Lager errichtet werden. Ließe man die Leute gewähren, so bauten sie alle Hütten auf einen Haufen, möglichst fern von den Zelten. Der Koch lärmt unterdessen umher und hat längst Wasser zum Kochen gebracht, welches ihm die ihm unterstellten Dienerinnen, Weiber der

i) P. Reichard:Deutsch-Ostafrika", S. 303.

Suahiliausdruck für Karawanen. D. H. b) Soldaten, welche die Karawanen begleiten. D. H.