b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 37
Die Ohrläppchen werden durchlöchert und bis zur Länge von 10 em und darüber ausgedehnt. Darin tragen die Krieger Eisenspiralen, an welchen Kettchen hängen, die Weiber tellerförmige Eisenspiralen, die oft so schwer sind, daß sie durch einen über den Schädel gelegten Riemen gehalten werden müssen.
Um den Hals tragen die Weiber Bänder aus steifem Leder, auf welche weiße und rote Glasperlen genäht sind und von denen Eisen- kettchen und Glasperlen herabhängen, die Verheirateten auch einen tellerförmigen Kragen von dickem, gewundenem Eisendraht. Am Oberarm tragen die Krieger ein Armband aus Horn, am Unterarm manchmal einige Glasperlen. Die Weiber umwinden sich den Unterarm und Unterschenkel mit mächtigen Manschetten aus Eisendraht.
Die Kleidung besteht bei Kriegern aus einem kurzen Lederüberwurf, der die lrnke Schulter freiläßt. Derselbe ist manchmal außen hart und aus verschiedenfarbiger Rindshaut gefertigt. Oefter tragen sie am Hinterteil ein dreieckförmiges Schürzchen als Sitzmöbel. Die älteren Leute haben längere Ledermäntel, ebenso die Weiber, deren die Brust verhüllende Lederkleidung an den Hüften durch einen Gürtel zusammengehalten wird- An den Füßen trägt man häufig Ledersandalen.
Der Kriegsschmuck der Massai ist schon oft beschrieben und abgebildet worden. Gerade diese zahlreichen Abbildungen können jedoch die Ansicht hervorrufen, daß dieser wilde, aus Colobusfellen, Straußfedern u. s. w. gebildete Kriegsschmuck allgemein getragen wird. Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Ich habe auf dieser und auf meinen früheren Reisen öfter Massai am Kriegspfade gesehen, aber nicht einen einzigen im vollen Kriegsschmuck. Einer oder der andere — von 100 Kriegern etwa ein Dutzend — trugen den bekannten Federschmuck aus Straußfedern, der das Gesicht einrahmt, die übrigen zogen in gewöhnlicher Tracht ins Feld und bemalten sich höchstens mit weißem Mergel an den Beinen.
Körperbemalung ist überhaupt allgemein üblich und wird mit Fett und roter Lehmfarbe ausgeführt. Eine Körperreinlichkeit kennen die Massai nicht. Mein ältester Rinderhirt, ein weißhaariger Elmoruo, gestand mir ein, daß er sich im Leben noch nie gewaschen habe. Deshalb wimmeln denn auch die Haare, Lederkleider, ja selbst der Eisenschmuck der Weiber von Ungeziefer.
Nahrung der Konde.i)
In Bezug auf das tägliche Leben und die tägliche Nahrung ist zunächst hervorzuheben, daß die Leute im Gegensatz zu den Sulustämmen Fleischnahrung nicht nur wenig genießen, sondern auch wenig schätzen
') Merensky: „Deutsche Arbeit am Nyassa", S. 151/152.