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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
Entstehung
Seite
29
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b) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher. 29

Anblick. Aber uns fehlt die Stimmung zur Betrachtung von Natur­schönheiten. Ein kalter Regen strömt wieder herab; die Kräfte der Träger lassen bedenklich nach, und auch die Soldaten beginnen müde zu werden, denn außer der Hauarbeit zum Freimachen eines Weges müssen auch die 20 eingeborenen Träger scharf bewacht werden. Für mich selbst wird das Peilen und Skizzieren der Wegrichtung, eine Arbeit, die niemals aus­gesetzt werden darf, fast zur Unmöglichkeit, denn der Regen durchweicht mein Krokierbuch, und selbst in den Kompaß ist Wasser eingedrungen.

Afrikanische Jagd.')

Im Anfang hält es dem-Europäer ungemein schwer, Wild im Holz zu unterscheiden. Er wird wegen seiner schlechten Augen bemitleidet, später, nach einiger Gewöhnung, kommt es vor, daß er den Neger über­trifft. Die verschiedenen Fährten genau kennen zu lernen, anzusprechen, wie der Weidmann sagt, ist ganz unnötig. In den seltensten Fällen birscht man der Fährte folgend Das Wild ist immer so zahlreich, daß man nur auf schon sichtbares Wild birscht. Auf Fährte zu birschen, ist schwer wegen der vielen Warner, welche das Wild des durchzogenen Re­viers aufmerksam machen. Da giebt es eine Menge Vögel, welche schrecklichen Lärm beim Nahen des Menschen machen, und auch Antilopen übernehmen das Amt des Warners. Die Zwergantilopen werden be­sonders lästig durch Pfeifen. Man hat fast immer halbverlorenes Spiel, wenn man das Wild nicht zuerst entdeckt. Dennoch treibt nur der Warnungston gewisser großer Antilopen, ein lautes, merkwürdiges Prusten, alles Wild außer Schußweite, während es auf die andern Warner weniger reagiert und sich häufig wieder ganz beruhigt. Sehr häufig sieht man verschiedene Antilopenarten zusammen äsen, besonders Zebra, Konsi und Djämäla, von denen dann abwechselnd ein Zebra und eine Antilope den äußerst aufmerksamen, scharfen Ausguck halten. Die Djämäla ist die scheueste Antilope. Wer sie beim Birschgang regelmäßig zur Strecke bringt, der hat das Birschen gelernt. Stundenlanges Kriechen auf dem Bauch, durch schwarzgebrannte Grasstoppeln, als Deckung hier und da ein Stämmchen oder ein nicht verbrannter Grasbusch, glühender Sonnenbrand, Stechfliegen, Dornen, scharfkantige Steinchen, brennender Durst, dabei ist fortgesetztes scharfes Beobachten notwendig, um zum Schuß zu kommen.

Das wird aber den passionierten Jäger nicht abschrecken, und um so größer sind Freude und Stolz, wenn der aufgebotene Scharfsinn und die mühsam erlangte Geschicklichkeit belohnt wird und der träumerisch wiederkäuende Djämälabock, welcher sich scharf in seiner häßlichen Gestalt

') Reichard:Deutsch-Ostafrika", S. 411412.