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Deutschlands Kolonien : Koloniales Lesebuch für Schule und Haus ; Beschreibung der deutschen Schutzgebiete nebst einer Auswahl aus der kolonialen Literatur / von A. Seidel. Bearb. von W. Kreyenberg
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Deutsch-Ostafrika-

Erster Marsch durch einen Bambuswald in Bugoia.*)

Am Sonnabend hatten wir das Tschingogolager um 9 Uhr vor­mittags verlassen und waren dann, immer höher steigend, auf den Kamm gelangt, dem die Eingeborenen den Namen der Mirongero-Berge gegeben haben. Eine merkwürdige, hochinteressante Vegetation tritt uns hier ent­gegen: zu unserer Ueberraschung finden wir dichte, dunkelgrüne Bambus­wälder vor. Vermoderte Stämme liegen, gleich langen Stangen, quer über dem Elefantenpfad, dem wir folgen, so daß Messer und Aexte der Askari in ununterbrochener Thätigkeit bleiben. Der zähe Schlamm läßt uns fortwährend bis an die Knie einsinken. Von 1 Uhr ab beginnt der Abstieg. Aber das Bambusdickicht will kein Ende nehmen. Um 3 Uhr wird der Abstieg so steil, daß wir in einem Gemisch von Schlamm und Wasser buchstäblich abwärts rutschen Mit Besorgnis denke ich an den langen Zug der Leute hinter mir. Die Frage nach einem trockenen Lager­platz wird immer ernster, denn der Tag neigt sich schon seinem Ende zu. Es steht außer allem Zweifel, daß mindestens die Hälfte der Mannschaft liegen bleiben muß. Der Weg hört nun völlig auf, und wir folgen, nur um hinab zu kommen, dem Bett eines rauschenden Wildbaches, dessen eisiges Wasser uns bis an die Kniee spritzt. So geht es noch eine Stunde lang weiter. Unbekümmert um die Karawane dringe ich jetzt mit der Vorhut vorwärts, denn vor allem gilt es, einen freien Platz in das Dickicht für das Nachtlager zu hauen, große Feuer anzufachen, um den etwa verlaufenen Leuten ein Signal zu geben, und endlich eine Boma zu erbauen, damit die Reste unserer Herde zusammengehalten werden können. Alle diese Arbeiten müssen im Dunkel der Nacht ausgeführt werden, und die Glieder fast erstarrt vor Kälte. Auch wir sind ohne Zelte, denn die völlig erschöpften Träger treffen nur mit ungeheuren Abständen ein, nach­dem sie sich langsam durch den Wald durchgetastet haben, von Trompeten- signalen und Schüssen geleitet. Um 1 Uhr nachts langt der Doktor?) endlich im Lager an und berichtet, daß der größte Teil der fehlenden Mannschaften noch oben auf der Höhe sei und dort lagern müsse.

Bei Morgengrauen breche ich, da die Entfernung der nächsten An­siedelungen den Führern nicht bekannt ist, mit allen verfügbaren Leuten, etwa 200 Mann, auf; Kersting übernimmt die Nachhut dieser neu­formierten Kolonne. Prittwitz lasse ich mit zwei Zügen Soldaten vor­läufig zurück, um die Nachzügler zu sammeln und dann geschlossen nach­zufühlen.

Wieder geht es durch hochstämmigen Bambuswald langsam vor­wärts. Die dunkelgrünen, glatten Stämme und die silbergrauen, 25 w hoch über dem Boden befindlichen Blattkronen bieten einen imponierenden

0 Graf Götzen:Durch Afrika von Ost nach West", S. 193194. ") Kersting, Graf Goetzens Begleiter.