d) Aus den Berichten der Reisenden und Forscher- 25
Schluchten hüpft der Bach über die Felsen, von Schattenbäumen, meist Sykomoren, eingefaßt. Mit einem Wort, man erkennt Ugogo nicht wieder, und mancher Reisende, dem man vorher Angst gemacht, findet das Land geradezu schön und kann nicht begreifen, daß nach fünf Monaten alles wieder so wüstenähnlich sein soll. Freilich nur im Osten und Süden verändert sich das Aussehen des Landes so sehr, längs der großen Straße und in der Landschaft Unyangwira bleibt es vielfach beim alten, das Grün reicht nicht aus, alles zu bedecken.
Was den Holzreichtum anbetrifft, so nimmt er von Osten nach Westen ab. Im Osten hat man noch große Myombowälder, also reichlich Brennholz, im Westen muß das allernötigste Brennholz oft viele Stunden weit geholt werden. Da es weiße Ameisen und Holzbohrkäfer in erschreckender Anzahl giebt, kann zum Hausbau nur ganz hartes Holz verwendet werden, welches leider stets krumm gewachsen und nie in langen Stämmen zu haben ist. Karawanen kochen vielfach mit Gras und trockenem Kuhmist. Ugogo ist sehr wasserarm; es hat keinen einzigen immerfließenden Bach; in einigen stehen wenigstens das ganze Jahr Tümpel, die Mehrzahl ist jedoch, oft wenige Stunden nach dem Regen, schon wieder trocken. In der Mitte der großen Regenzeit ist dann wieder zu viel Wasser, alle Rinnen reißend angeschwollen, die Steppen gänzlich unter Wasser. In den Thälern hält sich das Wasser an sumpfigen Stellen oft das ganze Jahr über und bildet sogenannte 8lvvs, d. h. Sümpfe oder Teiche, doch kann man nie wissen, ob sie nicht im nächsten Jahr austrocknen. Im übrigen graben die Wagogo neben ihren Temben tiefe Wasserlöcher, oft zu Dutzenden, hoffend, daß wenigstens in einem das Wasser sich hält; und doch ist es vorgekommen, daß ganze Ortschaften bei den Nachbarn um Wasser betteln oder es teuer bezahlen mußten, denn diese Wasserlöcher werden Tag und Nacht scharf bewacht.
Der Njassasee.i)
Der Njassasee ist 400 Kon lang, und seine Breite beträgt da, wo sie am größten ist, ca. 70 km. Seine Wasserfläche bedeckt ca. 27 000 gkw und liegt 480 w über dem Meeresniveau. Herrlich ist die blaue Färbung und die durchsichtige Klarheit des Wassers, das auch gesund und angenehm von Geschmack ist. An der äußersten Südspitze liegt vor dem Ausfluß eine Barre, auf der bei seichtem Wasserstande sich nur etwa vier Fuß Tiefe findet, weiterhin aber nimmt die Tiefe des Sees ganz bedeutend zu. Bei Kap Maclear hat man bei 200 Faden noch keinen Grund gefunden. Im Norden ist der See weit flacher; ausgedehnte Sandbänke sind dem nördlichen und nordöstlichen Ufer vorgelagert, was sich daraus erklärt, daß hier von sechs Strömen dem See
') Merensky: „Deutsche Arbeit am Njassa", S. 79 bis 80.