b) Aus den Berichten der Reisenden"und Forscher.
21
Feuer einzustellen sei, sollte ich die deutsche Flagge an den Pallisade!, aufpflanzen.
Alles geschah wie verabredet. Wir gingen gedeckt im Grunde vor, bis wir 30 Schritt vor der Boma auftauchten und das Signal mit der Flagge gaben. Aus der Boma wurden wir mit einem anhaltenden Schnellfeuer empfangen, daß mehrere Verwundungen herbeiführte, und zwar, da die Gegner diesmal zu tief schössen, nur Beinverwundungen. Ein Sudanese z. B. hatte vier Schüsse durch seine Beine. Nachdem wir noch eine Salve in die Boma geschossen hatten, ging es mit Hurra vorwärts, worauf wir zunächst ebenfalls ein höhnisches Hurra aus der Boma zurückerhielten. Es gelang jedoch, an verschiedenen Stellen Bresche zu reißen und in die Boma einzudringen, voran die zu meinem Stäbe als Ordonnanz-Offiziere gehörenden Herren (Jahnke und v. Eltz) mit mir und die Europäer der unter uns rühmlichst bekannten Kompagnie End, gleich darauf Jllich mit den Askari und die anderen Kompagnien.
Es war die härteste Arbeit, die bisher jemals bei der Einnahme einer feindlichen Stellung von den Truppen geleistet war. Bei unserem Eindringen flohen aber die letzten Gegner aus der Boma ins Dickicht der Umgebung.
Besteigung des Mawensigipfels des Kilimandjaro?)
So ging es 31/2 Stunden lang auf allen vieren aufwärts, bald mehr links, bald mehr rechts, bald über zwei Hände breite Simse platt auf dem Bauch, bald mit gespreizten Knien und Ellbogen in einem Kamin senkrecht hinauf. Unsere ganze aufs höchste gespannte Aufmerksamkeit galt nur den Lavafelsen über uns; Kibo und Plateau und Ebene waren völlig vergessen.
Gegen 11 Uhr standen wir dem Grat nahe. Etwa 10 m unter ihm sah ich plötzlich durch eine Spalte den blauen Himmel von der anderen Seite hindurchleuchten. Die ganze Mauer war hier mehr als 1 m dick, so daß wir uns fragen mußten, ob der brüchige schwache Bau durch unser Gewicht nicht zusammenbrechen würde; aber es gab keine Wahl, und die Ruine hielt. Die Zerrissenheit des Kammes spottet aller Beschreibung. Man begreift schlechterdings nicht, wie sich dieses morsche Gestein, diese dünnen, hinausragenden Zacken und die schiefen Türme bei Wind und Wetter hier oben halten können. Obgleich es fast windstill war, sausten doch, von der ausdehnenden Sonnenmärme gelöst, nach allen Seiten Steinschläge ab.
Teils auf dem Grat, teils dicht unter ihm kletterten wir nun am Kamm entlang der Stelle zu, wo er in den zentralen Kamm des Ma- wensi einmündet. Da der Fortgang zur höchsten Spitze nicht unmöglich
') H. Meyer: „Ostafrikanische Gletscherfahrten", S. 147 — 149 .