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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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Die Aufteilung Afrikas.

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51. Die Aufteilung Afrikas.

Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein hat sich euro­päische Kolonisation in Afrika nur mit den Küstengebieten beschäftigt. Auch als seit der Mitte des Jahrhunderts englische, deutsche, französische Forscher bis in sein innerstes Innere drangen und seine geographische Struktur in ihren Hauptzügen aufdeckten, ist man nicht sehr eilig gewesen, neue Besitztitel zu erwerben. Es bildeten sich Handels­gesellschaften, das erweiterte geographische Wissen merkantil auszunutzen, besonders 1878 auf des kühnen, doch skrupel­losen Stanley Anregung unter der Führung des Königs der Belgier die Kongo-Gesellschaft. Die Auffassung änderte sich mit einem Schlage, als Deutschland in diesem an herrenlosem Boden noch reichen Erdteile seine ersten zögernden Schritte als Kolonialmacht tat. Die Kongo- Gesellschaft, Franzosen und Engländer suchten es alsbald in Schutzverträgen mit einheimischen Machthabern den Deutschen zuvor zu tun, griffen vereinzelt auch zu den Waffen, um Widerstrebende mit Gewalt zu unterwerfen. Die Lage war für Deutschlands Wünsche insofern günstig, als Frankreich über Englands alleiniges Vorgehen in Aegypten im Jahre 1882 im höchsten Grade gereizt war. Gemeinsam mit Frankreich berief es die sogenannte Kongo- Konferenz, die, von 14 Mächten besandt, vom November 1884 bis zum Februar 1885 in Berlin tagte, und mit der Anerkennung der Besitzungen der Kongo-Gesellschaft als Kongostaat, mit der Deutschland vorangegangen war, und mit der Vereinbarung eines mittelasrikanischen Frei­handelsgebiets, das von einem Meer zum andern reichte und das gesamte Kongobecken umfaßte, endete. Nur widerstrebend gab England seine Zustimmung. Es schritt dann unmittelbar darauf zu umfassenden Gebietserwerb-