England in Australien und Südafrika. 125
den Nicaragua-Kanal allein zu bauen und ihn für neutral zu erklären. Die Union besaß damit eine Verbindung zwischen den beiden Ozeanen, die ihr völkerrechtlich unter allen Umständen gesichert war, und die sie gegen den Panama-Kanal gleichgültig machen konnte. Aber der Kongreß lehnte den Vertrag ab und setzte einen Beschluß an seine Stelle, nach welchem Amerika den Kanal nicht nur bauen, sondern auch befestigen, beherrschen und berechtigt und im stände sein sollte, ihn mißliebigen Nationen zu schließen. Und nicht genug damit! Als es sich im Juni 1902 darum handelte, das nötige Geld zu bewilligen, verwarf der Kongreß den Antrag, votierte aber einen Beschluß, nach welchem 40 Millionen Dollar angewandt werden sollten, die Rechte der Panama-Gesellschaft aufzukaufen und den von dieser begonnenen Kanal fertig zu bauen, mit anderen Worten, der Nicaragua-Kanal sollte überhaupt nicht gebaut werden und die Vereinigten Staaten das volle Verfügungsrecht über die einzige Verbindung haben, die sie zuzulassen für gut fanden. England und die Welt haben dazu geschwiegen. Auch die jüngsten chinesischen Verwickelungen haben gezeigt, daß über koloniale Fragen nicht mehr entschieden werden kann, ohne daß die Union mitspricht, und daß sie mitspricht so exklusiv und so rücksichtslos nach Maßgabe ihres eigenen Interesses, wie das in der europäischen Politik kaum je üblich war. Daß sich unter ihren Angehörigen Stimmen erheben, welche die Monroe-Doktrin in einen Anspruch auf wirtschaftliche und politische Suprematie über ganz Amerika umgestalten möchten, ist bekannt.
45. England in Australien und Südafrika.
Daß das mächtige Emporwachsen der Vereinigten Staaten die europäische Kolonisation in eine andere